7. November 2011

World Team Cup Konkurrenz schöpft aus den Niederlagen gegen China Hoffnung

Zunächst zu den Fakten: China untermauerte erwartungsgemäß beim mit 281.000 Dollar dotierten World Team Cup in Magdeburg seine Vormachstellung im Welttischtennis. Die Athleten aus dem Reich der Mitte verteidigten in asiatischen Finalbegegnungen gegen Südkorea (Herren) und Japan (Damen) jeweils mit 3:0-Erfolgen ihre Titel von Dubai. China, das es sich sogar erlauben konnte, Weltmeister und Butterflystar Zhang Jike wegen einer Hüftverletzung in der Heimat zu lassen, geht aus der einzigen Testveranstaltung vor den Mannschafts-Weltmeisterschaften in Dortmund und den Olympischen Spielen in London gestärkt hervor.

Deutschlands Bundestrainer Jörg Roßkopf brachte das Dilemma der Konkurrenz auf den Punkt: "Chinas verantwortliche Trainer können abends würfeln, wen sie am nächsten Tag aufstellen. Sie treffen immer den richtigen." Soll heißen, das personelle Eigenkapital der Supermacht ist wesentlich höher als das aller Nationen zusammen.
Chinas Überlegenheit ist unantastbar, gleichwohl bleibt die Hoffnung der Konkurrenten auf den einen, kleinen historischen Moment der Schwäche konzentriert, in denen Rückstand und Verunsicherung verminderte Qualität bedeutet. Ein Paradebeispiel dafür ist die Niederlage von Chinas Damen im WM-Finale von Moskau 2010 gegen Singapur, mit Abstrichen darf auch der Wackler von Chinas Herren im Endspiel gegen Deutschland dazu gerechnet werden.

Magdeburg brachte zwar Niederlagen gegen die (fast) Unbesiegbaren, aber auch Momente, die auf spannende Wettkämpfe bei WM und Olympia hoffen lassen. So unterlag Gastgeber Deutschland ohne den verletzten Schmetterling Timo Boll im Halbfinale vor 3.500 Zuschauern zwar mit 1:3, blickt aber dennoch optimistischer als zuvor Richtung WM. Der Grund: Erstmals in seiner Karriere bezwang Dimitrij Ovtcharov den Weltranglisten-Zweiten Wang Hao und ist damit nun neben Timo Boll der zweite Deutsche, der in der Lage ist, an einem guten Tag auch einen der absoluten Topchinesen zu bezwingen. Die führt zwar noch lange nicht zwangsläufig zu einem Sieg über China, aber in diesem Fall ist zunächst nur der Weg das Ziel. Das Credo von Timo Boll lautet deshalb nicht von ungefähr: "Du musst gegen sie führen, dann hast Du die Chance, dass sie nervös werden und nicht ihre beste Qualität abrufen können."

Ohne Boll reichte es in Magdeburg für Deutschland im Halbfinale zwar nicht zur Führung, aber immerhin zu dem für die Zukunft verheißungsvollen Ausgleich durch Ovtcharov gegen Wang Hao. Der von den Fans frenetisch gefeierte Punkt tröstete darüber hinweg, dass Schmetterling Bastian Steger und Patrick Baum gegen Xu Xin nicht den Hauch einer Chance hatten. Asiens Butterflyteam Südkorea hingegen konnte im Endspiel gar keinen Punktgewinn entgegensetzen, zog dafür aber erstmals gegen China das 19-jährige Ass Kim Min Seok aus dem Ärmel, das beim 2:3 gegen Xu Xin sogar beinahe gestochen hätte.

Kurioserweise war Russland im Viertelfinale die einzige Mannschaft, die sich sogar eine 2:1-Führung gegen den turmhohen Favoriten erspielen durfte. Das lag allerdings weniger an eigener Stärke als mehr an der unübersehbaren Formkrise von Olympiasieger Ma Lin, der im Einzel (gegen Kirill Skachkov) und im Doppel mit Wang Hao (gegen Skachkov und Butterflypartner Fedor Kuzmin) ebenso enttäuschte wie eine Woche zuvor bei seinen Erstrundenniederlagen bei den Swedish Open. Nach dem Turnier blickte Chinas Cheftrainer Liu Guoliang auf die kommenden Monate: "Wir haben uns beim World Team Cup zu jeder Zeit sicher gewähnt, dass wir das Turnier gewinnen. Für die WM in Dortmund und für London 2012 sehe ich China und Deutschland als die stärksten Mannschaften Asiens und Europas. Ich würde mich freuen, wenn das Finale Deutschland gegen China hieße."

Keinerlei Blöße gaben sich die Damen aus dem Reich der Mitte. Sie gewannen ihre Begegnungen gegen Europameister Niederlande (Viertelfinale), die WM-Revanche gegen Singapur (Halbfinale) und das Finale gegen Japan gleich dreimal ohne Spielverlust. Gastgeber Deutschland mit der EM-Zweiten Irene Ivancan, die das Schmetterlings-Duell mit der World-Cup-Dritten Tie Yana als Schlüsselmatch mit 12:14 im Entscheidungssatz verlor, unterlag gleich im Viertelfinale gegen Hongkong, das anschließend gegen Nippon auf der Strecke blieb. Chinas Damen-Cheftrainer Shi Zhihao betonte die Wichtigkeit des Erfolgs und bekannte, aus der WM-Niederlage im Vorjahr gelernt zu haben. "Unser Team war noch nie so stark wie jetzt. Wir waren unglücklich über die WM-Niederlage, aber wir haben sie als Chance genutzt. Vielleicht waren wir aufgrund der vielen Erfolge zuvor nicht aufmerksam genug. Wir haben seitdem viel an uns gearbeitet, uns technisch und mental weiterentwickelt. Vielleicht hatte die Niederlage so auch ihr Gutes. Und immer noch besser, diese Niederlage ist bei einer WM passiert als bei Olympischen Spielen. Deshalb war Magdeburg ein sehr wichtiges Turnier für China. Für die WM in Dortmund und für Olympia betrachten wir Singapur und Japan als unsere stärksten Konkurrenten."

World Team Cup in Magdeburg - Die Teams, ihr Abschneiden und ihre Schmetterlinge

Damen
1. China
2. Japan
3. Singapur (Sun Beibei)
3. Hongkong (Tie Yana, Jiang Huajun)
5. Deutschland (Irene Ivancan)
5. Südkorea (Yang Ha Eun)
5. Ungarn (Krisztina Toth)
5. Niederlande

Herren
1. China
3. Deutschland (Bastian Steger, Ruwen Filus)
2. Südkorea (Oh Sang Eun, Joo Se Huyk, Ryu Seung Min, Kim Min Seok)
3. Japan (Kaii Yoshida, Koki Niwa, Kenta Matsudaira)
5. Hongkong (Jiang Tianyi)
5. Russland (Alexander Shibaev, Fedor Kuzmin)
5. Ungarn (Janos Jakab, Daniel Kosiba)
5. Weißrussland

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