14. November 2011

Weltmeister Zhang Jike fliegt auch in Paris zur Goldmedaille

World Cup der Herren ganz im Zeichen der Schmetterlinge

Paris. Sechs Monate nach seinem Titelgewinn bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam hat Zhang Jike auch beim World Cup in Paris Tischtennis-Geschichte geschrieben. Chinas Schmetterling sicherte sich als erst dritter Athlet überhaupt im selben Jahr beide Goldmedaillen. Dieses Kunststück hatten vor dem 23-jährigen Rechtshänder nur 1991 der Schwede Jörgen Persson und 1995 Zhangs Landsmann Kong Linghui geschafft. Das Turnier stand auch insgesamt ganz im Zeichen der Spieler mit dem Schmetterling auf der Brust. Drei Butterfly-Asse im Halbfinale und weitere drei im Viertelfinale, besser hätte es für die Tamasu-Partner in Paris kaum laufen können.

Zhang Jikes Andenken für die Zuschauer

Wer nicht genau hinschaute, der hätte denken können, Zhang Jike habe sich passend zu seinem Schlägermaterial einen Schmetterling auf den muskulösen Rücken tätowieren lassen. Doch es sind die Schwingen eines Adlers, die über Zhangs Motto "Persistence" auf dem Rücken des extrovertierten Athleten "eingraviert" sind. Beharrlichkeit und Ausdauer, so muss es wohl übersetzt werden, denn diese beiden Begriffe passen deckungsgleich auf den Charakter des ehrgeizigen Supersportlers, der sich wie in Rotterdam nach seinen Titelgewinn seines Trikots entledigte. Diesmal zerriss er es jedoch nicht, sondern warf es in einem Stück ins Publikum.
Zhang Jike freute sich zu Recht, denn er dominierte den hochkarätig besetzten World Cup mit der Ausnahme eines kleinen Schönheitsfehlers (12:10 im siebten Satz im Vorrundenmatch gegen Dimitrij Ovtcharov) haushoch überlegen. Selbst seinem Landsmann Wang Hao ließ er im Finale trotz eines 0:2-Rückstands nicht die Spur einer Chance. Der Weltmeister von 2009 und Weltranglisten-Zweite war machtlos gegen die Präzision, Härte und Tempovariation der Schläge Zhang Jikes, der vor allem in den Rückhandduellen mit Wang Hao nahezu fehlerlos agierte. Im Halbfinale hatte Zhangs Form zuvor Südkoreas Butterfly-Ass Joo Se Hyuk zu spüren bekommen, der vier Sätze lang absolut chancenlos war. Dabei hatte der Defensivkünstler im Viertelfinale am Vorabend noch das Kunststück fertig gebracht, Timo Boll im wohl sehenswertesten Match des Turniers aus dem Wettbewerb zu befördern. Immerhin belohnte sich Joo mit dem Sieg im kleinen Finale über Japans Tischtennis-Ästhet Jun Mizutani, der mit dem World Cup noch keinen Frieden geschlossen hat und sich wie im Vorjahr mit dem undankbaren vierten Rang begnügen musste.

Boll, Mattenet und Oh Sang Eun im Viertelfinale

Mit dem WM-Dritten Timo Boll, Südkoreas Dauerbrenner Oh Sang Eun und Adrien Mattenet standen drei weitere Schmetterlinge im Viertelfinale. Der Vorstoß von Frankreichs Musketier Mattenet darf dabei durchaus als Überraschung gewertet werden. Die Nummer 24 der Welt nutzte die Unterstützung der 4.000 begeisterten Zuschauer in der an allen drei Tagen ausverkauften Halles Georges Carpentier und erspielte sich in seiner Vorrundengruppe bemerkenswerte Siege über die höher eingestuften Asse Vladimir Samsonov (Weißrussland) und Chuan Chih-Yuan (Taiwan), bevor nur Zhang Jike in der Runde der besten Acht den Höhenflug des Lokalmatadors beendete. Für nicht unbedingt einkalkulierte Erfolge sorgten auch der Brasilianer Gustavo Tsuboi, der sich als Sieger des Intercontinental Cups für das Hauptturnier qualifiziert hatte, sowie Christope Legout (Frankreich) bei seiner wohl letzten World-Cup-Teilnahme. Die beiden Butterflypartner sicherten sich durch Siege über Alexey Smirnov (Russland) bzw. Tang Peng (Hongkong) jeweils den dritten Platz in ihren Vorrundengruppen.

Timo Boll nach seiner Verletzung auf einem guten Weg

Trotz seiner Niederlage gegen Joo Se Hyuk fiel das Fazit von Timo Boll überaus positiv aus. Der Sieger von 2002 und 2005 bestritt nach überstandener Reizung der Lendenwirbelsäule erstmals seit den Europameisterschaften in Danzig vor zwei Monaten wieder ein internationales Turnier: "Ich hätte natürlich gerne noch im Halbfinale gegen einen Chinesen gespielt. Aber es war unglaublich, wie gut Joo diesmal war. Das muss ich einfach anerkennen. Er war vollkommen dicht in der Abwehr, da war so gut wie kein Durchkommen. Dazu hat er auch noch in den richtigen Momenten hervorragend angegriffen. Ich kann mir überhaupt keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: Ich war überrascht, wie gut ich schon wieder nach der langen Pause gespielt habe. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung."

World Cup macht Lust auf die WM 2013

Der World Cup gab schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was die besten Athleten der Welt in zwei Jahren bei den Einzel-Weltmeisterschaften in Paris-Bercy erwarten wird. Auch ohne eigene Topstars sind die französischen Fans begeisterte Tischtennis-Anhänger, die große Tischtennis-Kunst dankbar annehmen und unabhängig vom Nationaltrikot der Kontrahenten mit Ovationen feiern, wie es schon 2003 beim WM-Sieg Werner Schlagers in Paris der Fall war. Minutenlange "La Ola" in Europa, wenn zwei Chinesen gegeneinander um den Titel spielen, wann hat es das zuvor schon einmal gegeben.

Das Abschneiden der Butterfly-Asse beim World Cup in Paris

World Cup
1. Zhang Jike, China
3. Joo Se Hyuk, Südkorea
4. Jun Mizutani, Japan
5. Timo Boll, Deutschland
5. Oh Sang Eun, Südkorea
5. Adrien Mattenet, Frankreich
9. Chuan Chih-Yuan, Taiwan
9. Christophe Legout, Frankreich
9. Gustavo Tsuboi, Brasilien
9. Seiya Kishikawa, Japan
13. Alexey Smirnov, Russland

Intercontental Cup
1. Gustavo Tsuboi, Brasilien
3. Ahmed Ali Saleh, Ägypten

Die Ergebnisse der Endrunde
Finale
Zhang Jike CHN - Wang Hao CHN 4:2 (-7,-7,9,4,5,3)
Spiel um Platz 3
Joo Se Hyuk KOR - Jun Mizutani JPN 4:0 (3,4,9,6)
Halbfinale
Wang Hao - Jun Mizutani 4:1 (8,6,5,-9,4)
Zhang Jike - Joo Se Hyuk 4:0 (7,10,7,3)
Viertelfinale
Wang Hao CHN - Dimitrij Ovtcharov GER 4:1 (-9,7,8,4,8)
Jun Mizutani JPN - Oh Sang Eun KOR 4:3 (-5,10,6,9,-5,-10,5)
Timo Boll GER - Joo Se Hyuk KOR 3:4 (-8,6,-8,6,5,-6,-9)
Zhang Jike CHN - Adrien Mattenet FRA 4:0 (8,6,10,7)

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