22. Oktober 2012

Viermal Gold für Butterfly bei der EM in Herning

Timo Boll - Sechster Einzeltitel und der Ballwechsel des Jahres / Gold auch für Viktoria Pavlovich

Herning. Für Timo Boll hat sich die Reise in den Norden Europas mehr als gelohnt. Der Rekord-Europameister sicherte sich bei den Titelkämpfen in Dänemark seinen Einzel Titel Nummer sechs und damit das sechzehnte kontinentale Gold. Außerdem spielte der Butterfly-Superstar nach eigener Auskunft den bisher spektakulärsten Matchball seines Lebens. Der bemerkenswerte Ballwechsel des Viertelfinalspiels gegen Andrei Gacina (Kroatien) wurde auf YouTube bereits wenige Stunden nach dem Match rund 50.000 angeklickt, nachdem die Medien den Schlag als den "Ballwechsel des Jahres" in ihren Beiträgen apostrophiert hatten.

Mit viermal Gold für seine Partner endeten die Europameisterschaften in Herning auch für Tamasu Butterfly mit einer überaus sehenswerten Ausbeute. Die Schmetterlinge setzten sich in Herning glänzend in Szene und waren diesmal an allen vier Goldmedaillengewinnen aktiv beteiligt. Viktoria Pavlovich gewann nach ihrem Triumph im Jahr 2010 zum zweiten Mal den Einzeltitel. Im Doppel siegte Daniela Dodean (mit Elizabeta Samara) zum zweiten Mal nach 2009, und bei den Herren-Duos erkämpfte sich Robert Gardos (mit Daniel Habesohn) erstmals den Titel.

Geglückte Olympische-Revanche

Boll setzte sich zum sechsten Mal die Krone Europas auf und war seiner Konkurrenz um Längen voraus, auch wenn er nach dem Turnier betont wissen wollte: "Das sieht von außen immer so leicht aus. Aber die Gegner sind stark, auch in Europa. Wenn ich da nur 90 Prozent spiele, kann man ganz schnell verlieren. Aber ich war gut in Form." Dieses Phänomen des Favoritensturzes bekam ausgerechnet Dänemarks Lokalmatador Michael Maze zu spüren, der mit seiner Erstrundenniederlage gegen den Österreicher Stefan Fegerl alle Pläne der Organisatoren zerstörte, die auf ein Butterfly-Halbfinale gegen Timo Boll gehofft hatten. Der Weltranglisten-Fünfte aus Düsseldorf erhielt dafür in der Vorschlussrunde Gelegenheit zu einem neuerlichen Duell mit dem Rumänen Adrian Crisan, gegen den er überraschend bei den Olympischen Spielen in London verloren hatte. Crisan hatte die Runde der besten Acht trotz einer Niederlage gegen Patrick Baum (Deutschland) erreicht, dessen Beläge als zu dick gemessen wurden. Diesmal siegte Boll klar gegen Crisan und sagte hinterher: „Ich fühle schon Genugtuung, die Revanche ist geglückt. Auf der anderen Seite ist es irgendwie bitter, dass ich diese Leistung nicht bei Olympia abrufen konnte, sondern jetzt bei der EM. Auch wenn die EM ein wichtiges Turnier ist, hätte ich gerne getauscht."

Endspielgegner Bolls in Herning war der Kroate Tan Ruiwu, der im Halbfinale Bastian Steger in Schach hielt. Der Deutsche Meister war dennoch glücklich über sein Ergebnis, denn nach einer schweren Auslosung erkämpfte er sich durch triumphale Siege über Griechenlands Abwehr-Schmetterling Panagiotis Gionis und Titelaspirant Vladimir Samsonov erstmals in seiner Karriere eine EM-Medaille. "Auch wenn im Halbfinale mehr drin war, ich bin richtig froh über meine erste EM-Medaille, die ich vor einem Jahr so knapp verpasst hatte. Ich hatte schon befürchtet, vielleicht nie mehr eine solche Gelegenheit zu bekommen. Aber gestern, als es um die Medaillen ging, hatte ich einen perfekten Tag", freute sich Steger.

Viktoria Pavlovich bejubelt zweiten Titel

Vor nur mäßig besetzten Rängen gewann Defensivstrategin Viktoria Pavlovich zum zweiten Mal den Titel im Einzel. Die hochgewachsene Weißrussin mit dem großen Kämpferherzen musste sich in der Endphase des Turniers gleich gegen zwei Französinnen durchsetzen, die ebenfalls das Abwehrspiel beherrschen. Zunächst im Halbfinale gegen Li Xue, anschließend dann im Endspiel gegen Xian Yi Fang gab der bessere Angriff der Minskerin den Ausschlag zugunsten der Gewinnerin des Jahres 2010, die in der Runde der besten Acht mit Daniela Dodean (Rumänien) eine weitere Butterflykollegin ausgeschaltet hatte. Pavlovich freute sich über ihren Triumph: "Es war ein sehr gutes Turnier für mich, in dem ich mich von Spiel zu Spiel gesteigert habe. Ich bin sehr glücklich, zum zweiten Mal Europameisterin zu sein."

Es war an allen Tagen eine überaus interessante EM. Mit Rückschlägen und Zuschauereinbußen für die Organisatoren, die am zweiten Turniertag in keiner Disziplin mehr im Starterfeld vertreten waren. Und mit sportlichen Überraschungen. Darunter fallen, beispielsweise, die Bronzemedaille des jungen, frisch und frech aufspielenden niederländisch-ungarischen Damen-Doppels Britt Eerland/Dora Madarasz sowie der Erfolg des deutschen Jungnationalspielers Patrick Franziska über Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager. Bemerkenswert ist auch die 26. EM-Medaille für Ungarns Altmeisterin Krisztina Toth, die zusammen mit Georgina Pota Silber gewann.

 

Die Medaillengewinner der EM 2012

Herren-Einzel
Gold: Timo Boll GER
Silber: Tan Ruiwu CRO
Bronze: Bastian Steger GER
Bronze: Adrian Crisan ROU

Damen-Einzel
Gold: Viktoria Pavlovich BLR
Silber: Xian Yi Fang FRA
Bronze: Li Xue FRA
Bronze: Liu Jia AUT

Herren-Doppel
Gold: Robert Gardos/Daniel Habesohn AUT
Silber: Kristian Karlsson/Mattias Karlsson SWE
Bronze: Dimitrij Ovtcharov GER/Vladimir Samsonov BLR
Bronze: Alexey Liventsov/Mikhail Paykov RUS

Damen-Doppel
Gold: Daniela Dodean/Elizabeta Samara ROU
Silber: Krisztina Toth/Georgina Pota HUN
Bronze: Britt Eerland NED/Dora Madarasz HUN
Bronze: Kristin Silbereisen/Wu Jiaduo GER

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