24. September 2011

Thomas Schmidberger gewinnt 1. socialpioneerCup bei Rehacare-Messe in Düsseldorf

Rollstuhl-Tischtennisspieler besiegen erfahrene TT-Fußgänger im Viertelfinale klar
Prominenz und zahlreiche Zuschauer auf der Sportcenterbühne in Halle 9
DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher: „Hoffe auf eine Fortsetzung des Turniers“

Der Weltranglistenerste im Rollstuhl-Tischtennis, Thomas Schmidberger, hat den 1. socialpioneerCup im Rahmen der Rehacare-Messe in Düsseldorf gewonnen. Der 19 Jahre alte Spieler von der RSG Plattling setzte sich am Samstag vor mehr als 200 Zuschauern an der Sportcenterbühne in Halle 9 im Finale gegen Thomas Brüchle (RSC Frankfurt) durch und kassierte 1.000 Euro Preisgeld. Gemeinsam auf Rang drei landeten der Nachwuchsstar im Rollstuhl-Tischtennis, Valentin Baus (BSG Duisburg-Buchholz), und Vize-Weltmeister Selcuk Cetin (RSG Koblenz).
Bei dem mit Spannung erwarteten Vergleich zwischen vier Rollstuhl-Tischtennisspielern der Weltklasse und vier erfahrenen Tischtennis-Fußgängern im Rollstuhl hatten sich schon am Freitag die vier Rollifahrer im Viertelfinale durchgesetzt und den Titel am Samstag unter sich ausgemacht. „Ich bin überglücklich, dieses Turnier gewonnen zu haben“, sagte Schmidberger. „Es war ein tolles Turnier und eine super Idee - dazu gratuliere ich auch Holger Nikelis.“

Jo Pörsch: „Großartige Erfahrung und tolles Turnier“

Die vier Fußgänger, die mit dem socialpioneerCup erstmals eigene Erfahrungen im Rollstuhl sammeln konnten, waren am Ende ohne Chance gegen die vier Rollstuhl-Tischtennisprofis. „Beim Qualifikationsturnier im Düsseldorfer TT-Zentrum vor zwei Wochen habe ich in erster Linie mit den Bedingungen im Rolli kämpfen müssen. Jetzt kam dann noch die Klasse und Erfahrung der Rollstuhl-Tischtennisprofis hinzu, in meinem Fall von Thomas Schmidberger. Ich war chancenlos“, gestand Fußgänger Julian Pagnotta, der wie der Geschäftsführer von Borussia Düsseldorf, Jo Pörsch, der westdeutsche Schülermeister Ben Billerbeck und Oberligaspieler Andreas Nau aus Köln im Viertelfinale die Segel streichen musste. „Das war eine großartige Erfahrung und ein tolles Turnier“, meinte Jo Pörsch. Er hatte mit dem deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf das Qualifikationsturnier zum 1. socialpioneerCup für Fußgänger Ende August ausgerichtet.
„Ich denke, wir haben mit diesem einzigartigen Turnier ein ganz besonderes Zeichen für inklusiven Sport setzen können“, sagte Herbert Kaul, Geschäftsführer des Behindertensportverbandes Nordrhein-Westfalen (BSNW). Der BSNW hatte den 1. socialpioneerCup zusammen mit Initiator Holger Nikelis veranstaltet. Und auch der Geschäftsführer der socialpioneer gGmbH, Titelsponsor der Veranstaltung, zeigte sich beeindruckt. „Das war spannender Sport von Athleten, die großen Respekt verdienen. Ich bin sehr glücklich, dass socialpioneer diesem außergewöhnlichen Turnier den Namen geben durfte.“
Mehrere hundert Zuschauer hatten an den beiden Turniertagen die Spiele auf der Sportcenterbühne der Rehacare-Messe verfolgt und die Spieler lautstark unterstützt. Im Anschluss an die jeweiligen Partien wurden auch die Besucher in das Tischtennisprogramm mit eingebunden. Sie konnten sich mit Rollstuhl-Tischtennisspieler Charly Weber messen und dabei CDs gewinnen sowie am Gewinnspiel teilnehmen. Es gab eine exklusive Reise zu den Paralympics 2012 in London zu gewinnen.
Zu den prominenten Gästen zählten auch der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Julius Beucher, und der Behindertenbeauftragte der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Norbert Killewald. „Ich würde mir wünschen, dass der socialpioneerCup eine feste Einrichtung hier auf der Rehacare wird“, sagte Beucher. „Ich bin beeindruckt von der Schnelligkeit und Eleganz, mit der die Rollstuhl-Tischtennisspieler ihren Sport präsentierten. Viele Messe-Besucher sind spontan stehen geblieben und haben sich die Partien angeschaut.“ Killewald, der sich mit der Landesregierung für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einsetzt, fügte hinzu: „Der socialpioneerCup ist ein Aushängeschild in dieser Hinsicht. Er trägt zu einer Gesellschaft bei, die niemanden ausgrenzt, egal ob er behindert oder nicht behindert ist.“

Ein Modell für die Zukunft

Zuschauerin Anja Cordt (38) aus Mönchengladbach schaute sogar an mehreren Tagen beim socialpioneerCup vorbei. „Ich habe auf der Rehacare erstmals Rollstuhl-Tischtennis live gesehen“, erzählt die Lehrerin. „Es ist schon erstaunlich, wie viel Körpereinsatz die Spieler zeigen – trotz ihrer begrenzten Möglichkeiten im Rollstuhl.“ Das Turnier sei eine tolle Form der Integration, so Anja Cordt. „Ein guter Ansatz, Menschen mit und ohne Behinderung im Sport zusammenzubringen.“
Dass das Turnier ein Modell für die Zukunft ist, davon war auch Oivind Eriksen überzeugt. Der Präsident der paralympischen Abteilung im Internationalen Tischtennisverband (ITTF-PTT) schaute sich die Veranstaltung zwei Tage lang an. „Das Konzept, die Begegnung von Tischtennisspielern mit und ohne Behinderung, ist genial. Sie sollte international ausgeweitet werden, dann auch mit internationalen Spielern und in anderen Ländern“, sagte Eriksen. Der Norweger wagte in Sachen Spielmodus für die Zukunft auch schon eine These: „Ich denke, dass man schon Tischtennis-Fußgänger mit internationalem Weltklasseformat wie einen Timo Boll oder Jan-Ove Waldner im Rollstuhl an den Tisch holen muss, um diese Rollstuhl-Tischtennisspieler zu besiegen.“
Initiator Holger Nikelis zeigte sich nach dem Finale sehr zufrieden mit dem Verlauf des Turniers. „Ich freue mich, dass der socialpioneerCup auf so positive Resonanz gestoßen ist. Das wünscht man sich natürlich als Ideengeber“, sagte Holger Nikelis, der mit den Planungen für das nächste Jahr beginnen kann. Dass es eine Fortsetzung des Turniers geben wird, darin zumindest waren sich alle Beteiligten – Sponsoren, Organisatoren, Veranstalter, Aktive und Zuschauer – einig.

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