5. März 2013

Sensationeller Steffen Mengel wird erstmals Deutscher Meister

DM in Bamberg: Damen-Titel geht an Shan Xiaona

Das Ergebnis ist schlichtweg eine Sensation: Der Deutsche Meister 2013 im Herren-Einzel heißt Steffen Mengel. Als wäre der Titelgewinn des 195 cm großen Schmetterlings an und für sich nicht schon Überraschung genug, so setzte sich der krasse Außenseiter im Endspiel der nationalen Titelkämpfe in Bamberg auch noch ausgerechnet gegen den in Deutschland nahezu unantastbaren Weltstar Timo Boll durch. Das zweite Gold für Tamasu Butterfly ging ebenfalls an eine Spielerin, die zuvor noch niemals Deutsche Meisterin wurde. Im Gegensatz zu Mengels Coup kam der Finalerfolg der seit dem 1. Januar zum Nationalkader gehörenden gebürtigen Chinesin Shan Xiaona über Zhenqi Barthel jedoch alles andere als unerwartet.

Sprachloser Mengel feiert den größten Erfolg seiner Laufbahn

Einen Finalerfolg im Endspiel der Deutschen Meisterschaften über Timo Boll, das hatte der neue Titelträger aus Frickenhausen, der in der Welt auf Position 157 und damit 152 Plätze hinter dem WM-Dritten notiert wird, zuvor selbst nicht für möglich gehalten: "Ich kann es noch gar nicht glauben, Deutscher Meister zu sein, und dann auch noch gegen Timo das Finale gewonnen zu haben", meinte Mengel. Vor dem Endspiel hatte der Schmetterling mit den riesigen Flügeln noch den letzten Vergleich in bester Erinnerung: „2010 bei den Deutschen Meisterschaften in Trier habe ich gegen Timo ganz böse verloren und in vier Sätzen nur elf Punkte gemacht."

11:4, 8:11, 11:8, 6:11, 5:11, 14:12 und 11:7 hieß es diesmal nach sieben Sätzen für den in der Vergangenheit so oft vom Verletzungspech geplagten Rechtshänder, der sich von den 2600 Zuschauern in der Stechert Arena für das beste Spiel seiner Karriere feiern ließ. Zwischenzeitlich schien Boll nach mäßigem Start auf dem Weg zu seinem zehnten Meistertitel und damit zum alleinigen Rekord, denn in der ewigen Bestenliste liegt der Düsseldorfer derzeit noch gleichauf mit den einstigen Idolen Eberhard Schöler und Conny Freundorfer. Nach einem 1:2-Satzrückstand erspielte sich der Rekordeuropameister in Durchgang sechs sogar zwei Matchbälle, aber der Bundesranglistensieger von 2012 zwang den Favoriten in den entscheidenden Durchgang. Mengel über den entscheidenden Moment: "Im siebten Satz habe ich gut angefangen, und Timo macht dann bei 6:8 einen Aufschlagfehler, seinen ersten und einzigen im Spiel." Im Halbfinale hatte es Mengel ebenfalls spannend gemacht und Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) in der Verlängerung des Entscheidungssatzes besiegt. Boll hatte hingegen den Überraschungs-Halbfinalisten Alexander Flemming in die Schranken gewiesen.

Für Boll geht trotz der Niederlage die Welt nicht unter

"Schade, die Chance auf den Titel und damit den Rekord war groß, aber davon geht die Welt nicht unter. Da muss man im Sport eben durch." Timo Boll wäre nicht Timo Boll, würde er die Finalniederlage nicht mit der ihm eigenen Gelassenheit kommentieren. "Steffen hat stark begonnen und war in den ersten drei Sätzen der bessere Mann", befand der faire Verlierer nach dem Match. In den vorangegangenen Partien hatte der neunfache Deutsche Meister keinen Satz verloren. Warum Boll das Spiel, das er im sechsten Satz bei klarer Führung schon sicher im Griff zu haben schien, noch verlor, analysierte Boll selbst: "Bei 6:3 - da hätte ich es machen müssen, da hatte ich das Spiel auf dem Schläger." Wenngleich Titel Nummer zehn diesmal nicht gelang, Boll kündigte noch am Finaltag bereits den nächsten Anlauf auf den Rekord an: "Ich würde schon gerne noch einmal gewinnen, aber es wird nicht einfacher." Titelverteidiger Bastian Steger (Saarbrücken) hatte während des Turnierverlaufs aufgrund einer Leistenzerrung verletzt aufgeben müssen. "Ich habe es probiert, aber am Ende ging es nicht mehr", sagte der Schmetterling.

Für Shan Xiaona wird ein Traum wahr

Sichtlich wohl fühlte sich die neue Deutsche Meisterin Shan Xiaona in ihrer Rolle als Titelträgerin. Die seit siebeneinhalb Jahren in Deutschland lebende Penholderspielerin, die seit Januar auch Mitglied des B-Kaders ist, bewies ihre Quirligkeit auch beim Autogramme schreiben und Interviews geben mit spielender Leichtigkeit und Spaß an der Sache. Die sympathische 30-jährige Kroppacherin hatte bei ihrem DM-Debüt von vornherein zum engsten Favoritenkreis gehört und wurde nur im Finale (4:2) von Zhenqi Barthel wirklich gefordert. "Ich freue mich riesig, Deutsche Meisterin zu sein. Es ist ein Traum", sagte eine strahlende Shan Xiaona. "Das Finale war aber nicht so einfach. Lulu kennt meine Aufschläge, mein Spiel ganz genau. Für mich ist es oft leichter, gegen Spielerinnen zu spielen, die mich nicht so kennen." Barthel hatte ihr Halbfinale gegen Kristin Silbereisen (Kroppach) gewonnen, während sich Butterfly-Partnerin Shan Xiaona gegen Kathrin Mühlbach (Leipzig) durchsetzte.

Der Vollständigkeit halber seien auch die neuen Meister in den Doppel-Wettbewerben genannt. Die German-Open-Siegerinnen Sabine Winter (Kolbermoor) und Petrissa Solja (Linz) setzten sich gegen die Qatar-Open-Finalistinnen Shan Xiaona/Zhenqi Barthel durch, bei den Herren holten Jörg Schlichter und Alexander Flemming ihren 2. Titelgewinn nach 2009.

Die Finalergebnisse von Bamberg

Herren-Einzel
Steffen Mengel – Timo Boll 4:3 (4,-8, 8, -6, -5, 12, 7)

Damen-Einzel
Shan Xiaona - Zhenqi Barthel 4:2 (6, 6, -6, 7, -8, 7)

Herren-Doppel
Alexander Flemming/Jörg Schlichter - Nico Christ/Lennart Wehking 4:1 (9,3,-8,10,10)

Damen-Doppel

Sabine Winter/Petrissa Solja - Shan Xiaona/Zhenqi Barthel 4:2 (-8,-7,5,9,4,3)

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