23. März 2012

Schmetterlinge machen Jagd auf China

Butterfly-Teams bei der Team-WM in Dortmund auf Medaillenjagd

Mehr als 1000 Athleten, 146 gemeldete Nationen, erwartete 60.000 Zuschauer - die Mannschafts-Weltmeisterschaften 2012 in den Dortmunder Westfalenhallen versprechen eine Rekord-WM, atmosphärisches Gänsehautfeeling eingeschlossen. Im sportlichen Mittelpunkt des Championats steht im Herren-Wettbewerb die Jagd von Titelverteidiger China durch die Butterfly-Topteams Deutschland und Südkorea sowie der aus ebenfalls mehreren Schmetterlingen bestehenden Mannschaft Japans.

China versus Schmetterlinge

Die Dream Teams aus dem Reich der Mitte führen erwartungsgemäß die Setzungslisten für die LIEBHERR Team-WM 2012 an. Zwar stellt China diesmal nur mit seiner Herren-Auswahl den Titelverteidiger, an der einsamen Favoritenstellung beider Goldmedaillenaspiranten ändert dies jedoch nichts. Sowohl die Herren als auch die Damen wurden mit den Ausnahmeathleten gemeldet, die aktuell die Positionen 1 bis 4 sowie Platz 7 in der Weltrangliste bekleiden, darunter mit Weltmeister und World-Cup-Sieger Zhang Jike sowie mit Grand-Final-Gewinnerin Liu Shiwen zwei Super-Schmetterlinge. Der Einsturz der Großen Mauer ausgerechnet in Dortmund erreicht in der Wahrscheinlichkeitsrechnung keinen allzu hohen Wert. Der Dank der Tischtennis-Welt gebührt jedoch Singapur, das 2010 in Moskau im Damenfinale nachdrücklich daran erinnerte, dass selbst gegen China Außenseiterchancen greifbar werden, wenn man an sich selbst, die punktuelle Verletzbarkeit des Gegners und die Gunst der Stunde glaubt. Bei den Herren gelang dieses Kunststück in den vergangenen 31 Jahren bei 15 WM-Turnieren lediglich viermal (1989, 1991, 1993 und 2000) - und dies nur der legendären Mannschaft Schwedens.

Boll: "Es liegt in unserer Hand, wie wir abschneiden"

Bereits die ersten WM-Phase wird für das deutsche Team eine ungemein wichtige. Wenngleich Timo Boll nach der Auslosung am 22. Februar in Dortmund scherzte, "die schwere chinesische Gruppe hätte ich nicht haben wollen", vor den ersten fünf Aufgaben in der ersten Turnierphase hat der Rekord-Europameister durchaus Respekt: "Beschweren können wir uns nicht, aber die Auslosung ist auch nicht einfach. Es liegt aber in unserer Hand, wie wir abschneiden. Portugal und Singapur sind die gefährlichsten Vorrundengegner, aber auch Spanien, Serbien und Tschechien mit meinem Butterflykollegen Petr Korbel sind nicht zu unterschätzen." Eine stark spielende DTTB-Auswahl könnte mit dem Gewinn der Gruppe B ein Halbfinal-Aufeinandertreffen mit China vermeiden. Denn als Sieger der Vorrundengruppen A und B würden die beiden führenden der Weltrangliste für die anschließende finale Stufe im K.-o.-System automatisch auseinander in die obere (Position 1) und untere Hälfte (Position 16) des Achtelfinales gesetzt.

Im Verlaufe des Turniers steigern

Der Spitzenspieler des WM-Zweiten von Moskau fiebert der WM entgegen, nachdem er im Vorfeld der Veranstaltung zugunsten einer gezielten Vorbereitung auf ein umfangreiches Wettkampfprogramm verzichtete. Sein fest eingeplantes "Vorbereitungsturnier" Deutsche Meisterschaften Anfang März musste er dann wegen einer Sehnenreizung in der linken Schulter absagen, gab allerdings noch am gleichen Wochenende Entwarnung: "Ich bin optimistisch, dass ich in Dortmund in guter Form auflaufen werde. Ich bin jemand, der sich im Turnier steigern kann. Es sind jede Menge Matches bei der WM. Bei der WM in Moskau vor zwei Jahren habe ich am Anfang auch gewackelt. Gegen China im Finale habe ich dann starke Matches gemacht und gegen Ma Long gewonnen."

Auch ohne lautstark Ambitionen anzumelden, angreifen wird das deutsche Schmetterlingsteam, dass im Finale 2010 nur knapp mit 1:3 unterlag, auch zwei Jahre später gegen das Reich der Mitte wieder vehement. Dazu beitragen soll auch der zweite Butterfly-Partner Bastian Steger. Der Deutsche Meister weiß, dass er oder einer seiner Kollegen in die Pflicht genommen wird: "Wir müssen natürlich durch Timo punkten. Aber er alleine kann es auch nicht richten. Das heißt, einer von uns müsste ebenfalls einen Chinesen schlagen. Wenn die Chinesen einen zweiten Punkt abgeben würden und wissen, Timo kommt noch einmal dran, dann werden auch sie nervös."
Boll und Steger streben mit ihrer Mannschaft das Finale an, aber sie wissen auch, wie weit der Weg dorthin sein kann. Boll betrachtete die WM deshalb mit dem kühlem Kopf des Sportlers, der bereits alle Höhen und Tiefen einer Weltmeisterschaft erlebt hat: "Eine Bronzemedaille in Dortmund wäre ein Erfolg. Aber wir werden alles daran setzen, das Finale zu erreichen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der alleinige Goldfavorit China heißt."
Deutschland weiß, dass mit Südkorea und Japan zwei ernsthafte Konkurrenten an den Start gehen, die sich ebenfalls Hoffnungen auf das Endspiel machen dürfen. Beide werden angeführt von Super-Schmetterlingen. Das Butterfly-Team Südkorea vom Weltranglisten-Fünften Joo Se Hyuk, dem weltbesten Abwehrspieler, Japan von Tischtennis-Künstler Jun Mizutani. Joo Se Hyuk wird im Wesentlichen unterstützt durch seine prominenten Butterflykollegen Oh Sang Eun und Ryu Seung Min, Mizutani darf auf Schützenhilfe der Tenergy-Spieler Seiya Kishikawa, Koki Niwa und Kenji Matsudaira hoffen.

Im Damen-Wettbewerb ist ebenfalls das seit Moskau ungeschlagene China einsamer Favorit. Aussichtsreichste Kandidaten für den Einzug in das Finale sind Titelverteidiger Singapur, Hongkong, Japan sowie das Butterflyteam Südkoreas, das hofft, in Dortmund zum Zünglein an der Waage werden zu können.

Jeweils 24 Teams bei Damen und Herren am Start

Jeweils 24 Teams streiten in der Championship Division um die Medaillen. Die Mannschaften, bestehend aus maximal fünf gemeldeten Spielern, wurden in vier Sechsergruppen gelost und spielen in der Vorrunde nach dem System „jeder gegen jeden“. Eine Nation muss mindestens Dritter ihrer Vorrundengruppe werden, um im Rennen um die Medaillen zu bleiben, das im K.-o.-System fortgesetzt wird. Die vier Gruppensieger werden direkt in das Viertelfinale gesetzt, der Vorrundenzweite sowie der Gruppendritte tragen ein Spiel mehr aus und beginnen im Achtelfinale. Als Vierter, Fünfter oder Sechster der Gruppe spielt ein Team um die Plätze 13 bis 24.


see more news


Produkte
Social