5. August 2011

Olympiavorbereitung im Land der Weltmeister

05.08.2011 15:36

Olympiavorbereitung im Land der Weltmeister

Timo Bolls China-Wochen beginnen mit Sieg über Angstgegner Xu Xin

Schanghai. Timo Boll ist im Juni und Juli auf Reisen. Wenngleich von Gattin Rodelia begleitet, sieht ein gewöhnlicher Sommerurlaub wohl anders aus. Der siebenwöchige Abstecher des WM-Dritten in das Land der Weltmeister und Olympiasieger ist in diesem Jahr nicht als Vergnügungsfahrt angelegt. Der Butterflystar beginnt in China schon jetzt seine Vorbereitung auf die olympische Saison, die im August 2012 mit einem Medaillengewinn in London zu Ende gehen soll. Timo Bolls „China-Wochen“ sind von der Teilnahme an der Superliga geprägt, in der der 30-Jährige in diesem Sommer zusammen mit Olympiasieger Ma Lin in Hangzhou in einer Mannschaft steht.


Bevor Timo Boll jedoch sein erstes Match in der Superliga 2011 bestritt, machte der Deutsche Ende Juni in Schanghai einmal mehr von sich reden. In Südchinas Millionen-Metropole forderte der Deutsche zusammen mit seinen Tamasu-Kollegen Jun Mizutani (Japan) und Joo Se Hyuk (Südkorea) die beste Nation der Welt zum alljährlichen Duell „China gegen den Rest der Welt“ heraus. Zwar unterlag die Weltauswahl den Gastgebern mit 1:4, doch die lange China-Reise hat sich für Timo Boll schon mit der Zwischenstation Schanghai mehr als bezahlt gemacht. Erstmals gelang dem Weltranglisten-Zweiten nämlich ein Erfolg über seinen bisherigen "Angstgegner" Xu Xin, dem der Düsseldorfer zuvor bei drei Gelegenheiten dreimal hatte gratulieren müssen. Der 12:10, 4:11, 9:11, 11:3 und 11:3-Sieg des zweimaligen World-Cup-Gewinners über den Qatar-Open-Gewinner blieb allerdings der einzige Erfolg an diesem Abend für die Weltauswahl der Herren.


Timo Boll siegt nach „Meet and Greet“ mit Hollywoodstar Susan Sarandon
Während die die Damen durch einen Sieg von Butterflypartnerin Tie Yana (Hongkong) und zwei Punkten der überragenden Mannschafts-Weltmeisterin Feng Tianwei (Singapur) einen überraschenden 3:2-Erfolg über das Reich der Mitte einspielten, zeigten sich Chinas Herren beim 4:1 deutlich überlegen. Das verdankten die Gastgeber vor allem der herausragenden Leistung von Ma Long, der in seinem Auftaktmatch Japans Ballzauberer Jun Mizutani und später Rekordeuropameister Timo Boll mit seinem druckvollen Spiel keinen Satzgewinn überließ. Olympiasieger Ma Lin hielt zudem erwartungsgemäß Südkoreas Defensivstrategen Joo Se Hyuk relativ sorglos in Schach, Xu Xin sorgte später mit einem 3:0 über Mizutani für den Endstand. Die unterlegene Weltauswahl tröstete sich in Schanghai mit einem Preisgeld von 35.000 Dollar, während sich die Spieler von Gastgeber China einen Siegerscheck in Höhe von 65.000 Dollar verdienten. Die Gesamtdotierung von "China gegen den Rest der Welt" betrug 206.000 Dollar.


Nach einem vorausgegangenen „Meet und Greet“ mit Oscar-Preisträgerin und Tischtennisliebhaberin Susan Sarandon hatte Timo Boll allerdings gegen den Weltranglisten-Siebten Xu Xin eindrucksvoll unter Beweis gestellt, warum Chinas Trainer und Millionen von Fans den Deutschen stets als den gefährlichsten Herausforderer ihrer Elitespieler betrachten. Der erste Erfolg des Super-Schmetterlings über Xu war beeindruckend und weitaus klarer, als es das 3:2 auf den ersten Blick vermuten lässt. Die abgegebenen Durchgänge eins und drei quittierte Boll jeweils nur denkbar knapp mit zwei Punkten Unterschied (10:12, 9:11), die gewonnenen Sätze hingegen ließen mit 11:4 und zweimal 11:3 hingegen heute keinen Zweifel an seiner Überlegenheit. Aus der aktuellen chinesischen Topriege gibt es damit keinen Kontrahenten mehr, gegen den Boll noch nicht gewonnen hat. Das Thema "Angstgegner" ist damit ebenfalls ad acta gelegt, wenngleich es für Deutschlands Ausnahmeathleten ohnehin nie wirklich existiert hatte. Timo Boll: "Ein Angstgegner war Xu nicht, auch wenn ich ihn noch nicht bezwungen hatte. Aber es war bei einigen Partien auch vorher schon ziemlich knapp hergegangen. Aber es ist natürlich gut für das Selbstvertrauen, dass ich auch ihn jetzt einmal geschlagen habe."

Eine Verschnaufpause gibt es für Timo Boll nicht, für den schon einen Tag nach seinem Triumpf die Superliga-Saison in Hangzhou begann. Je nach Erfolg seines Teams stehen bis zu 10 Mannschaftskämpfe auf dem Programm. Insgesamt kämpfen in der Liga acht Mannschaften um den Titel, die ersten vier erreichen die Playoff-Runde. "Ich spiele die Liga vor allem, um weitere Vergleiche mit den besten Chinesen zu bekommen und mit ihnen trainieren zu können", so Boll. "Bei der WM in Rotterdam habe ich erneut bemerkt, dass zwischen ihnen und mir eine Lücke klafft, die ich nur schließen oder verkleinern kann, wenn ich den direkten Vergleich suche. Mit europäischen Trainingspartnern kann man das komplexe und komplette Spielsystem der Chinesen nicht simulieren." Der lange Weg zu den Mannschafts-Weltmeisterschaften im nächsten Frühjahr in Dortmund und den Olympischen Sommerspielen in London hat für Timo Boll definitiv begonnen.

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