31. Mai 2011

Interview mit Werner Schlager

10.05.2011 13:06

Interview mit Werner Schlager

Werner Schlager berichtet über seine Verletzung, die Organisation der WM und Timo Bolls WM-Chancen



Vor acht Jahren erlebtest du in Paris den absoluten Höhepunkt deiner Karriere, als du, für viele überraschend, Weltmeister im Herren-Einzel wurdest. Bei dieser Weltmeisterschaft musst du leider wegen einer langwierigen Verletzung passen. Was plagt dich und wann hoffst du wieder fit zu sein?

Beim Rückflug vom Euro-Asia Event in Beijing hat die Klimaanlage im Flugzeug meinem Nacken so sehr zugesetzt, dass ich seither von starken Kopfschmerzen geplagt bin. Dies machte jegliche körperliche Anstrengung und damit auch die notwenige WM-Vorbereitung und Teilnahme unmöglich. Nach zwei Monaten Therapie bin ich schön langsam auch wieder körperlich belastbar. Ich werde nach der WM wieder mit dem Training beginnen.

Wie fühlst du dich, wenn du in das Geschehen nicht eingreifen kannst?

Ich fühle mich primär als Zuseher- werde aber trotzdem meinem Team unterstützend zur Seite stehen.

Wären die jetzigen Weltmeisterschaften deine letzten gewesen, denn du hast ja mal verlauten lassen, nach den Olympischen Spielen in London würdest du kürzer treten?

Ehrlich gesagt habe ich mit dem Kürzertreten schon früher als geplant begonnen, nämlich seiter der Schwangeschaft meiner Lebensgefährtin Bettina im Jahr 2008. Ein Ende der Teilnahme an internationalen Großveranstaltung ist derzeit aber nicht geplant.

Meiner Meinung nach gibt sich der Niederländische Tischtennisverband NTTB sehr viel Mühe mit Organisation und Präsentation. Mit der AHOY-Arena in Rotterdam bietet er eine hervorragende Wettkampfstätte an. Wie ist dein Eindruck?

Die Spielhallen sind beeindruckend. Die Organisation könnte man in einigen Details noch verbessern.

Mit beinahe 800 Teilnehmern hat diese WM schon jetzt einen Rekord gebrochen. Hältst du die Idee des ITTF-Präsidenten, die WM zu einem Familientreffen zu machen, für richtig?

Solange die Präsentation des Sports nicht darunter leidet geht das in Ordnung. Vielleicht leidet gerade darunter die Organisationsqualität.

Bei der Butterfly-Party am vergangenen Samstag haben wir ein schönes Foto gemacht: Timo du und ich in der Mitte. Ich habe dabei geflachst: rechts der letzte europäische Einzelweltmeister und links der neue europäische Einzelweltmeister. Scherz beiseite: Hat Timo eine Chance gegen die Chinesen zu bestehen?

Bei der Auslosung muss er mindestens drei von ihnen schlagen. Außerdem hat er bei einer WM noch keine Medaille im Einzel gewonnen.
Rein spielerisch hat er auf jeden Fall das Potential dazu. Ob er auch körperlich dazu in der Lage ist, kann ich nicht beurteilen. In der letzten Zeit hatte er ja immer wieder mal verletzungsbedingt pausieren müssen, daher hoffe ich für ihn, dass er fit genug für den Titel ist. Eine Medaille traue ich ihm aber auf jeden Fall zu.

Auf der Butterfly-Party war ein neuer "Schlager" zu sehen, dein Sohn beim spielerischen Training gegen seinen Vater. Im Ernst: würdest du ihm empfehlen Tischtennisprofi zu werden, wenn er es wollte?

Ja, klar. Die Vorraussetzungen könnten ja kaum besser sein. Es wird aber definitiv seine Entscheidung sein, nicht meine.

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