31. Mai 2011

Interview mit Peter Teklas (Ungarn)

01.02.2011 10:00

Interview mit Peter Teklas (Ungarn)

Eigentlich wollte ich nicht mit Mädchen arbeiten, aber …

36 Jahre ist er alt: der ungarische Nationaltrainer der Damen Peter Teklas. Mit 19 Jahren hat er als Trainer beim berühmten ungarischen Rekordmeister der Damen Statisztika Budapest begonnen. Seitdem arbeitet er unermüdlich im Damenbereich, also 17 Jahre. 2005 übernahm der ehemalige Erstligaspieler die Damen-Nationalmannschaft und sammelte mit ihr viele internationale Erfolge. Der größte war die Europameisterschaft 2007. Aber seine Leidenschaft gilt den Nachwuchsspielerinnen. Talentierte Mädchen an die Spitze zu führen, ist für ihn die größte und schönste Aufgabe eines Trainers.

Herr Teklas, Sie sind der Cheftrainer der ungarischen Damen-Nationalmannschaft. Wie sind Sie zu dieser besonderen Trainertätigkeit gekommen?

Also da muss ich ein bisschen ausholen. Mit zehn Jahren habe ich in einem kleinen Verein in Budapest angefangen, Tischtennis zu spielen. Das Problem war nur, dass es ein reiner Frauen-Tischtennisverein war. So musste ich immer gegen Mädchen und Frauen spielen. Das ist normalerweise für Jungen nicht gut. Mir hat es nicht geschadet, denn immerhin habe ich es geschafft, in die 1. ungarische Liga zu kommen und auch in Deutschland in der 1. Liga zu spielen. Noch heute spiele ich ab und zu in der 2. ungarischen Liga als Ersatzmann mit.

Wann haben Sie ihre Trainerkarriere gestartet?

Nach meinem Abitur habe ich mit 19 Jahren ein Diplomsportstudium mit Schwerpunkt Tischtennis absolviert. Und schon im ersten Jahr, 1993 war es, hat mich Statisztika Budapest, der führende Damen-Tischtennisverein Ungarns, als Trainer verpflichtet. Natürlich habe ich zunächst mit den jungen Spielerinnen begonnen und habe dabei sehr viel vom Statistika-Fördersystem gelernt. Ab 1997 habe ich begonnen, neben meiner Statisztika-Tätigkeit auch für den ungarischen Tischtennisverband zu arbeiten. Erst mit den Schülerinnen, dann mit den Juniorinnen und ab 2005 mit der Damen-Nationalmannschaft.

Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen Statisztika und der Damen-Nationalmannschaft?

Sehr eng. Von 2005 bis 2008 war ich Trainer der Damen-Nationalmannschaft und der 1. Mannschaft von Statisztika. Aber das war nicht gut. Es gab in der Doppelrolle zuviel Stress und ich habe mich von dieser Doppelaufgabe zum Glück verabschiedet und mich für die Nationalmannschaft entschieden. Aber seit einem Jahr gibt es eine neue Situation. Die Statisztika-Halle ist nun auch das nationale Trainingszentrum der Damen. So habe ich jetzt wieder die Möglichkeit, auch mit jungen Statisztika-Spielerinnen im Alter von neun, zehn Jahren zu arbeiten. Das ist sehr wichtig, tut mir sehr gut und macht mir sehr viel Spaß. Ob Krisztina Toth oder alle anderen, ich kenne sie von jung an und habe zum Teil auch mit ihnen in jungen Jahren gearbeitet.

Ist es nicht das Größte, wenn ein Trainer mit Spielern im Kindesalter anfängt und sie dann später herausbringt?

Ich glaube schon. Mit Kindern musst du in jedem Falle mehr arbeiten als mit Senioren. Und es ist eine Herausforderung, aus ihrem Talent das Maximum herauszuholen.

Sprechen wir über die aktuelle Situation des ungarischen Tischtennis. Ungarn zählt sicherlich zu den traditionsreichsten Nationen Europas. Unvergessen ist das Weltmeister-Trio Klampar, Jonyer und Gergely, das in den 70er und 80er Jahren den Ton in Europa mit angab und 1979 Weltmeister wurde. Auch die ungarischen Damen gehören seit Jahrzehnten zu den führenden Nationen Europas. Mit Statisztika Budapest verfügt Ungarn über einen der stärksten Damen-Vereine Europas, der seit Jahrzehnten für seine brillante Nachwuchsarbeit bekannt ist. Wie sieht es heute aus?

Bei den Damen sind wir in Europa sicher gut aufgestellt, bei den Herren weniger. Aber das Hauptproblem ist, wir haben weniger Vereine, weniger Trainer, weniger Spieler und Spielerinnen. Wenn diese Entwicklung anhält, wird es sehr schwer, die jetzige Position in Europa zu halten. Im Moment haben wir bei den Damen zwei vielversprechende Talente im Alter von 17 und 18 Jahren, die den Sprung in das A-Team schaffen können. In jedem Fall hoffe ich, dass Krisztina Toth noch möglichst lange weitermacht. Denn sie ist gerade für die jungen Spielerinnen ein Vorbild erster Klasse.

Gehen nicht zu viele ungarische Spielerinnen und Spieler ins Ausland, weil sie sich dort besser entwickeln und natürlich auch mehr Geld verdienen können?

So kann man das nicht sagen. In Ungarn kann man halt nicht viel Geld mit Tischtennis verdienen. Viele unserer besten Damen und Herren spielen deswegen im Ausland. Sie nehmen lange strapaziöse Fahrzeiten in Kauf, die sie ermüden. Nicht selten wechselten die jungen Spieler in Vereine, in denen keine oder schlechte Trainer waren. Bei Janos Jakab, Ungarns Nummer 1 der Herren, war das anders. Er wechselte in dieser Saison zum deutschen Spitzenklub Borussia Düsseldorf und hat dort hervorragend eingeschlagen, weil er dort eben exzellent trainieren und entsprechend Fortschritte machen kann. Dieser Transfer ins Ausland hat sich gelohnt. Viele andere nicht, sieht man einmal vom Geld ab.

Sie sprachen auch in der Breite von einem Abwärtstrend im ungarischen Tischtennis. Wie kann man ihn stoppen. Wie kann man Tischtennis gerade für junge Leute wieder attraktiver machen?

Der ungarische Verband möchte in Budapest ein nationales Trainingszentrum für Jungen und Mädchen mit Internatsbetrieb aufbauen, sodass die ungarischen Talente frühzeitig zusammengefasst werden können. Aber es mangelt an den Finanzen, dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Für den Spitzensport ist diese Maßnahme sich sehr sinnvoll, der Breite hilft das weniger.

Herr Teklas, Sie sind Experte für Damen-Tischtennis. Wie schätzen Sie die Dominanz der chinesischen Damen ein? Hat Europa eine Chance gegen sie?

Ehrlich gesagt, nein. Ich war drei-, viermal in China. Was habe ich beobachten können? Acht- und Neunjährige trainieren in den Tischtennisschulen zweimal am Tag, wie die Profis. In Europa ist das bis zum 14. Lebensjahr undenkbar. Hier gehen die Kinder in die Schule. Außerdem ist es die Vielzahl an Spielerinnen. Es gibt Millionen in China. Dazu sind die chinesischen Trainer in der Grundschulung ausgezeichnet. Das passt alles. In Europa können wir das nicht in dem Maße erreichen. Besonders in den jungen Jahren. Die Schule spielt eine zu große Rolle. Aber Europa muss mehr trainieren, vor allem die Mädchen und Frauen, um zumindest Anschluss zu halten. Die Internatsidee ist das einzige Konzept, Schule und Tischtennis in Einklang zu bringen, ohne dass eins von beidem leidet.

Was halten Sie von der großen Zahl chinesischer Legionäre in europäischen Vereinen und Verbänden? Besonders bei den Damen fällt das ins Auge und ist nicht gerade attraktiv für unseren Sport.

Die ITTF hat vom Regelwerk her zu spät auf dieses Problem reagiert. Ich habe gar nichts gegen chinesische Spielerinnen. Europäerinnen können durchaus von ihnen lernen, wenn sie miteinander trainieren. Das ist aber nicht immer der Fall, wie man aus manchem Verein und Verband hört. Aber wogegen ich was habe, ist die Tatsache dass die chinesischen Spielerinnen gekauft werden, um die fehlende Nachwuchsarbeit zu kompensieren. Das ist für die Vereine und besonders für die Verbände kontraproduktiv. Für dasselbe Geld sollten die Verantwortlichen lieber qualifizierte Trainer engagieren und auf den eigenen Nachwuchs setzen.

Auch Trainer haben Ziele und Träume. Was sind Ihre, Herr Teklas?

Ich möchte mit der Damen-Nationalmannschaft weiter unter den Top Five Europas bleiben und junge Spieler an die erste Mannschaft heranführen. Leider fehlt es uns momentan an Geld, um die jungen Spielerinnen zu möglichst vielen internationalen Veranstaltungen zu schicken, damit sie dort lernen und wichtige Wettkampferfahrungen sammeln können. Ich hoffe, das wird in Zukunft besser, sonst können wir die internationale Spitze nicht halten.

Was lieben Sie am Tischtennissport so sehr, dass es Ihr Beruf geworden ist?

Das ist eine interessante Frage. Als ich das Sportstudium absolvierte, wollte ich eigentlich gar nicht mit Mädchen arbeiten. Aber es kam anders. Nun sind es schon 17 Jahre Damen-Tischtennis. Besonders schön ist es, wenn du junge Spielerinnen nach oben begleitest. Du fängst mit 10 Jahren an, und mit 20 gehören sie zur europäischen Spitze. Das ist total spannend. Natürlich auch anstrengend, denn das ist sehr harte Arbeit.

Und was mögen Sie am Tischtennis überhaupt nicht?

Wenn du deinem Spielerinnen etwas sagst, manchmal mehrfach, und sie machen etwas anderes. Das kann schon mal nerven. Aber ansonsten bin ich mit ihnen sehr zufrieden. Wer hätte gedacht, dass wir in den Jahren ohne unsere Nummer 1 Csilla Batorfi, also nach 2004, so viele Medaillen auf europäischer Ebene geholt hätten?

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