5. August 2011

05.08.2011 15:07

Interview mit Mattis Burgis

Wenn ich gut trainiere, kann ich noch viel schaffen

Ende des Monats wird Matiss Burgis 22 Jahre alt. Nach seiner festen Überzeugung hat der sympathische Lette, der augenblicklich auf Rang 114 der Weltrangliste steht, noch lange nicht den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Lettland ist bekanntlich keine Tischtennishochburg und so begab sich mit 15 Jahren in die Fremde, um sich dort zu verbessern. Sein beidseitiges Offensivspiel ist technisch hochwertig und druckvoll. Doch im mentalen Bereich muss sich der Butterfly-Vertragsspieler noch verbessern. Das weiß er und daran arbeitet er. Sein Nahziel ist die Qualifikation für Olympia 2012 in London. Auch wenn das sehr hart wird, rechnet sich Matiss gute Chancen aus.

Mattis, Sie haben ihre Heimat sehr früh verlassen und sind bereits mit 15 Jahren nach Deutschland gekommen. Wie sah Ihr weiterer Werdegang hier aus?

Mein erster Verein war Lampertheim in Süddeutschland. Wir spielten in der 3. Liga und stiegen gleich in die 2. Bundesliga auf. Mit 16 Jahren wurde ich dann Jugend-Europameister im Doppel mit Antin Schwarzer aus Tschechien und mein Wunsch war es nun, Tischtennis-Profi zu werden. Ich wechselte zum Bundesligisten TTC Zugbrücke Grenzau, aber die erste Saison war sehr hart für mich. Ich musste mich an das Training und die neuen Bedingungen gewöhnen. Ich spielte zunächst in der 2. Mannschaft. Als meine Leistungskurve nach oben zeigte, bekam ich auch meine Einsätze in der 1. Mannschaft. Ich gehörte zum Stamm der Mannschaft, aber kam nur unregelmäßig zum Einsatz kam. Ich lieferte gute Spiele, aber auch schlechte. Das war nicht so einfach.

Die Entscheidung, in so jungen Jahren nach Deutschland zu gehen, war aber richtig.

In jedem Fall, sonst hätte ich mich nicht zu dem Spieler entwickelt, der ich heute bin.

Warum sind Sie dann zu Beginn dieser Saison nach Frankreich zum französischen Erstligisten Argentan gegangen?

Ich wollte mich verändern, möglichst viel gegen hochklassige Gegner spielen, denn die französische Liga ist nach Deutschland die stärkste Liga in Europa. Argentan war Aufsteiger in die 1. Liga und hat mir ein gutes Angebot gemacht. Leider lief es für die Mannschaft nicht so wie erwartet. Denn unsere chinesische Nummer 1 ist nicht gekommen. Diesen Verlust konnten wir nicht kompensieren. Ich persönlich habe ganz gut gespielt, etwa 50% gewonnen, darunter einige Topspieler geschlagen. Aber das hat für das Team nicht gereicht, den Abstieg zu verhindern..

Haben Sie auch in Frankreich gelebt?

Ja, der Verein wollte das so. Ich wollte eigentlich in Deutschland weitertrainieren. Das ließ sich nicht mehr ändern. Das Training war also nicht so toll.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Ich spiele mit dem Gedanken, zur Werner Schlager Academy nach Wien zu gehen und dort unter Richard Prause, dem deutschen Ex-Herrennationaltrainer zu trainieren. Er ist ein exzellenter Trainer, den ich sehr schätze. Einen hochklassigen Verein, den ich von Wien aus zu den Spielen erreichen kann, werde ich schon finden.

Blicken wir einmal rückwärts und kommen auf deinen Start im Tischtennis zu sprechen. Wie hat alles angefangen?

Ich habe mit neun Jahren angefangen. Mein älterer Bruder spielte bereits. Er spielt übrigens immer noch in der Regionalliga in Deutschland. Er hat mich mit zum Training genommen und es hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich habe mich auch schnell verbessert und Ehrgeiz entwickelt.

Lettland zählt ja nun nicht zu den großen Tischtennisnationen. Wer hat Euch nach oben gebracht?


Unser erster Trainer war eine Trainerin. Sie hat uns solide ausgebildet. Aber viele Tricks haben sich mein Bruder und ich von Videos der der Spitzenspieler abgeschaut. Wir haben dann viele Dinge im Training ausprobiert. Je besser ich wurde, um so klarer wurde mir, dass ich Lettland verlassen müsse, um wirklich weiterzukommen. Und das habe ich dann ja auch mit 15 Jahren getan.

Aber vorher musstet ihr doch leistungsorientiert trainiert haben?

Ja, in meiner Heimatstadt gab es eine Trainingsgruppe von zehn bis zwölf Spielern, die sehr fleißig waren. Ab meinem 13. Lebensjahr trainierten wir täglich, an den Wochenenden spielten wir Turniere oder trainierten. Wir hatten einen sehr guten Trainer, der heute Nationaltrainer für den norwegischen Nachwuchs ist. Der Umfang war wirklich hoch, nur die Qualität hätte noch besser sein können. Mein Jugend-Europameistertitel im Doppel ist auf jeden Fall auf dieses Training mit zurückzuführen.

Als Sie sich entschieden, Profi zu werden, haben Sie mit 16 Jahren die Schule mit einem mittleren Schulabschluss beendet. Ich habe gehört, Sie hätten jetzt Ihr Abitur nachgemacht. Stimmt das?


Ja, das stimmt und darauf bin ich sehr stolz. Ich habe das Abitur an meiner früheren Schule im Fernstudium absolviert. Mit Hilfe von Internet und sehr hilfreichen Lehrern ging das. Ein guter Schulabschluss ist fürs Leben wichtig und ich bin wirklich froh, dass ich es geschafft habe.

Herzlichen Glückwunsch, Matiss zu dieser beeindruckenden Leistung. . Sie sind jetzt 21 Jahre jung und stehen auf Platz 114 der Weltrangliste. Es gab Spieler, die schon mit 18 Weltmeister waren, andere sind es erst mit 29 geworden. Wie sehen ihre weiteren Pläne aus?

Mein nächstes Ziel ist es, mich für Olympia 2012 in London zu qualifizieren. In der Weltrangliste möchte ich zunächst unter die Top 100 kommen. Wenn ich das geschafft habe, werde ich die Top 50 anvisieren. Also Schritt für Schritt immer weiter nach vorne. Wenn ich gut trainiere, kann ich das schaffen. Daran glaube ich fest.

Timo Boll sagte neulich, er hätte immer etwas an seinem Spiel zu verbessern. Das gilt sicher für alle Topspieler, sonst hätten sie nicht den Ehrgeiz sich weiterzuentwickeln. Wie ist es bei Ihnen? An welchen Schwächen müssen Sie arbeiten?

Mein Schwachpunkt ist der Kopf. Viele haben mir gesagt, mein Spiel sei ziemlich komplett. Und wenn ich einen guten Kopf habe, kann ich wirklich gute Spieler schlagen. Leider ist das aber nicht immer so. Und so muss ich sicher durch mentales Training weitere Fortschritte erzielen. Wobei ich sagen muss, dass ich in letzter Zeit auf diesem Gebiet schon stabiler geworden bin.

Häufig wird der Kopf bei Spielern zur Erklärung guter und schlechter Leistungen herangezogen. Was heißt denn eigentlich „schlechter Kopf“ genau?

Ein bisschen Angst paart sich mit angeschlagenem Selbstvertrauen und schon beginnt ein teuflischer Kreislauf, der dazu führt dass man Überblick, Aggressivität, Kampfgeist, technische Lockerheit und vieles mehr verliert und in der Niederlage endet.

Mit welchem Material spielen Sie eigentlich?

Auf der Vorhand TENERGY 05, auf der Rückhand TENERGY 64, beide mit einer 2,1 mm Schwammstärke, kombiniert mit dem INNERFORCE ALC Carbon-Holz. Damit bin ich sehr zufrieden.

Was fasziniert dich am Tischtennis so sehr, dass es zu deinem Lebensinhalt geworden ist?


Für mich es immer wieder ein super Gefühl gegen einen besseren Gegner zu gewinnen. Als ich mein erstes Einzel in der französischen Liga bestritt, kam ich gegen Kalinikos Kreanga und schlug ihn. Das war ein unbeschreibliches Gefühl.

Was stört dich am Tischtennis?

Wenn ich ehrlich bin, die unterschiedlichen Tische bei großen Turnieren. Wenn du an den Showcourts spielst, ist das ein großer Unterschied zu den normalen Tischen in der abgetrennten Haupthalle oder den Nebenhallen. Der Ball springt anders, verrutscht und vieles mehr. Hast du vorher in der Qualifikation an den normalen Tischen gespielt und kommst dann an einen Showcourt, dann ärgere ich mich manchmal sehr über diese veränderten Bedingungen. Ich bin übrigens nicht der einzige, der so denkt.

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