31. Mai 2011

Höhenflug der Schmetterlinge endet mit Gold für Zhang Jike, Bronze für Timo Boll

16.05.2011 09:29

Höhenflug der Schmetterlinge endet mit Gold für Zhang Jike, Bronze für Timo Boll

Finaltag der Weltmeisterschaften in Rotterdam



Der Höhenflug der Schmetterlinge endete bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam mit dem Titelgewinn des überragenden Zhang Jike. Auch Deutschlands Ass Timo Boll, das dem Chinesen im Halbfinale unterlag, feierte seinen dritten Platz zu Recht. Butterflypartner kletterten in der Ahoy Arena zudem noch fünf weitere Male auf das Siegerpodest, vertreten durch Liu Shiwen (Damen-Einzel), Jung Young Sik/Kim Min Seok (Südkorea/Herren-Doppel), Jiang Huajun/Tie Yana (Hongkong/Damen-Doppel) sowie im Mixed durch den Japaner Seiya Kishikawa (mit Ai Fukuhara) und das Duo Cheung Yuk/Tie (Hongkong). An den Positionen der Top Five änderten die WM-Ergebnisse in der direkt am Tag nach der WM erschienenen Weltrangliste des Monats Juni jedoch nichts.

Die Szene hätte jedem extrovertierten Fußballer gut zu Gesicht gestanden, doch einem Tischtennisspieler, geschweige denn einem Chinesen, hätte man derartige Emotionsausbrüche wohl niemals zugetraut. Dass Zhang Jike nach dem verwandelten Matchball gegen seinen Vorgänger Wang Hao als neuer Weltmeister ergriffen zu Boden sank, ist mittlerweile auch im Hochleistungstischtennis keine Seltenheit mehr. Dass ein Spieler jedoch anschließend aufsteht, sich an den Hemdkragen seines Nationaltrikots fasst und mit zwei, drei kräftigen Armzügen das Trikot vor seiner Brust zerreißt, mit nacktem Oberkörper beidbeinig über die Bande springt und seinen persönlichen Trainer Xiao Zhang auf der Tribüne mit einer Umarmung seinen Dank ausdrückt, diese denkwürdige Szene hat über den Tischtennissport hinaus Einmaligkeitswert. Darf man Butterfly-Ass Zhang Jike Glauben schenken, dann kann man sich aber künftig auf ähnliche Gefühlsausbrüche gefasst machen. „Ich bin ein Spieler, der spontan und extrem seine Emotionen auslebt. Ich brauche es, mich aufzuputschen und je heißer die Atmosphäre wird, umso besser spiele ich, umso mehr bricht es aber auch aus mir heraus“, bekannte Zhang in der postfinalen Pressekonferenz mit sympathischer Offenheit, und ergänzte: „Mein Trainer nennt mich immer einen ‚fighting dog‘, das kommt auch bei meinen Emotionen zum Tragen.“

Die knapp 7.000 Zuschauer in der Ahoy Arena hatten bereits nach dem Halbfinale einen heftigen Gefühlsausbruch zu sehen bekommen. Nach seinem 4:1-Erfolg, bei dem Zhang wie gegen Wang Hao im letzten Satz fast einen komfortablen Vorsprung verspielt hatte, trommelte sich der 23-jährige Rechtshänder fester mit den Fäusten auf die Brust als King Kong in seinen besten Filmen. Zhang Jike bekannte nach den verpassten Führungen freimütig: „Gegen Timo Boll war schon ein Neustart nötig, als ich dann plötzlich gegen Wang Hao fünf Championship-Bälle hatte, habe ich wieder viel zu ängstlich gespielt." Ängstlichkeit und vielleicht, abhängig von Gegnern und Turniersituation, eine leichte Nervosität – wenn es überhaupt Schwächen gibt, die man Zhang Jike zuordnen will, dann sind es vielleicht diese. Technisch ist der stets dicht am Tisch agierende Rechtshänder perfekt und spielt dank seiner Athletik und den kurzen Schlagbewegungen das derzeit schnellste Tischtennis der Welt, selbst Wang Hao, Ma Lin und Ma Long übertreffend. Ein Blick auf Zhangs weit überdurchschnittlich muskelbepackte Beinmuskulatur gibt allein schon Aufschluss darüber, wieso selbst die bestplatziertesten Topspins von Timo Boll stets den Weg zurück auf den Tisch fanden. „Er hat einfach unglaublich gut gespielt, das verlangt meinen Respekt“ lobte Timo Boll seinen Bezwinger, „und ergänzte: „Ich habe in sehr guter Form gespielt. Aber selbst auf meine besten Bälle kam ein noch besserer Ball zurück. Das muss ich neidlos anerkennen.“
Der Europameister erklärte auch, warum er das Tempo des Chinesen nur zeitweise mithalten konnte: „Die Chinesen trainieren täglich auf diesem Niveau miteinander. Solches Extremtischtennis mit einer derartigen Qualität und Geschwindigkeit spielt bei uns aber niemand. Deshalb ist immer jedes Spiel für mich gegen sie so wichtig. Egal ob ich gewinne oder verliere, ein besseres Training gibt es nicht. Um sich weiter zu verbessern, wird Boll im Sommer zum zweiten Mal in der chinesischen Liga an den Start gehen: „Ein besseres Training gibt es für mich nicht. Das ist für mich schon ein Teil der Vorbereitung auf Olympia. Aber jetzt werde ich auch für einige Tage den Gewinn der Bronzemedaille genießen. Mit meinem Einzug in das Halbfinale ist eine große Last von meinen Schultern abgefallen, denn die fehlende WM-Medaille war bis Rotterdam ein Makel in meiner Karriere.“

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