31. Mai 2011

German Open 2011 in Dortmund

German Open 2011 in Dortmund

Duell der Super-Schmetterlinge endet mit Höhenflug für Zhang Jike

Erfolgreicher hätte die Schlussbilanz der 46. German Open für Tamasu Butterfly nicht aufgestellt sein können. Am Ende des Finaltages der mit 172.000 Dollar dotierten Pro-Tour-Station in Dortmund standen sich zum Showdown um Gold und Silber im Herren-Einzel die beiden überragenden Schmetterlinge Timo Boll und Zhang Jike gegenüber. Das Endspiel in der Westfallenhalle wurde vor 5.000 Zuschauern eine überraschend klare Beute für Chinas überaus konstanten Nachwuchsstar, der sich erstmals in die Siegerliste der German Open eintrug und sich gleichzeitig für die vor zwei Wochen im Halbfinale der Qatar Open gegen den Deutschen erlittene Niederlage revanchierte.

Zhang Jike und Timo Boll setzten drei Monate vor den Einzel-Weltmeisterschaften in Rotterdam und 14 Monate vor den Mannschafts-Weltmeisterschaften 2012 in Dortmund die Akzente des Turniers. Der 23-jährige Rechtshänder aus dem Reich der Mitte sicherte sich allerdings nicht nur im Einzel die Siegprämie in Höhe von 20.000 Dollar, sondern gewann auch zusammen mit seinem Landsmann Hao Shuai das Herren-Doppel und avancierte damit zum erfolgreichsten Spieler der German Open.

Wirklich ersthafte Mühe hatte der verdiente Turniersieger überhaupt nur einmal an den drei Tagen des Hauptwettbewerbs, und das ausgerechnet gegen Weißrusslands Abwehrass Evgueni Chtchetinine. Der Routinier besitzt den wohl rotationsfreudigsten Unterschnitt der Welt, aber wie so oft fehlte es Chtchetinine an ausreichenden Angreiferqualitäten, um einen Weltklassespieler wie Zhang besiegen zu können. Der präsentierte sich bereits vor dem Endspiel in bestechender Form, als er mit immenser Grundsicherheit und pfeilschnellen beidseitigen Eröffnungen Weltmeister Wang Hao (China) überaus klar mit 4:1 auf Distanz hielt. Zhang meinte nach dem Turnier: „Ich habe diesmal gegen Timo besser gespielt als vor zwei Wochen. Heute lief im Halbfinale und Finale fast alles perfekt für mich.“

Zur unangenehmen Überraschung Timo Bolls verlief das Endspiel diesmal ähnlich einseitig wie Zhang Sieg über Wang Hao. Der 29-Jährige spürte nur im ersten Durchgang die Nähe eines Satzgewinnes, den Rest des Matches über kontrollierte sein sechs Jahre jüngerer Kontrahent aus China, der sich nach dem Gewinn der China Open im Sommer 2010 seinen zweiten Pro-Tour-Titel holte, während Boll erstmals in einem German-Open-Finale – dem fünften nach den Jahren 2004, 2006, 2008 und 2009 – einem Gegner gratulieren musste.

Dabei war der Superstar von Butterflyklub Borussia Düsseldorf mit einem guten Gefühl sowie mit der Empfehlung eines 4:2-Erfolgs vor 14 Tagen im Halbfinale der Qatar Open in das Match gegangen. Doch nach dem deutlichen 0:4 sagte Boll: „Man muss die Leistung Zhang Jikes anerkennen, er war heute bärenstark. Er hat fehlerfrei und sehr aggressiv gespielt. Er hat auf alle Bälle die bessere Antwort gehabt", lobte Boll. „Nicht selten unterscheidet die Tagesform. Vor zwei Wochen habe ich ihn noch besiegt, heute er mich, so ist das eben. Zhang Jike hat zwar auch in dieser Höhe verdient gewonnen, aber schon allein wegen dieser tollen Kulissen mit 5.000 Zuschauern hätte ich es gerne zumindest ein wenig spannender gemacht."

Bis zum Finale hatte Boll mit Weltklasseleistungen bei seinen Fans größte Hoffnungen auf einen erneuten Titelgewinn geweckt. Am Samstag hatte er mit Hao Shuai im Achtelfinale bereits einen Chinesen der Top 20 bezwungen und anschließend im Duell mit Butterfly-Partner Chuang Chih-Yuang (Taiwan) keinen Zweifel an seiner guten Form gelassen. Im Halbfinale überragte Boll dann bei seinem zweiten Triumph in Folge über Olympiasieger Ma Lin, nachdem er den Chinesen zuletzt auch im November im Finale des Volkswagen Cup in Braunschweig bezwingen konnte.

Trotz des finalen 0:4 gegen Zhang ist Timo Boll aber zuversichtlich, dass ihm die Erkenntnisse aus dem Turnier bei seiner Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften Anfang Mai in Rotterdam weiterhelfen werden. "Ich muss bis zur Einzel-WM weiter an mir arbeiten und Zhang Jike hat mir heute deutlich aufgezeigt, woran. Das war eine gute und wichtige Rückmeldung für mich. Meine Aufschläge waren teilweise zu unpräzise." Bolls persönliche German Open Bilanz fällt aber dennoch sehr positiv aus. „Ich kann mit meinem zweiten Platz zufrieden sein. Ich habe mit Hao Shuai und Olympiasieger Ma Lin zwei starke Chinesen besiegt, das gibt noch einmal Selbstvertrauen vor der WM.“

Ein wenig mag zum hastigen 0:4 im Finale vielleicht auch unterbewusst die innere Uhr Bolls mitgewirkt haben, die den deutschen Weltranglisten-Ersten zur Eile verpflichtete. Denn direkt nach der eiligen Siegerehrung musste Boll sich bereits auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen machen. Von dort aus startete er wenige Stunden später Richtung Peking, wo bereits am Dienstag und Mittwoch der nächste Vergleich der Asia-Europe-Allstars-Serie stattfindet.

Endspiel German Open

Zhang Jike – Timo boll 4:0 (11:9, 11:5, 11:6, 11:5)

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