31. Mai 2011

Europe Top 12 in Lüttich

07.02.2011 12:36

Europe Top 12 in Lüttich

Schmetterling Kalinikos Kreanga fliegt zu seinem ersten Titelgewinn




Schmetterling Kalinikos Kreanga ist im Herbst seiner Karriere zu seinem bislang bedeutendsten Titelgewinn geflogen. Griechenlands wieselflinker Marathonmann, der im März bereits 39 Jahre alt wird, sicherte sich in Lüttich in einem Nerven aufreibenden Finale gegen Weißrusslands Turnierfavoriten Vladimir Samsonov erstmals den Sieg beim renommierten europäischen Ranglistenturnier Europe Top 12. Außer Kreanga kletterten noch drei weitere von insgesamt zehn Butterfly-Athleten auf das Siegerpodest: Silber ging an Weißrusslands Europameisterin Viktoria Pavlovich, jeweils Bronze gewannen Ex-Weltmeister Werner Schlager (Österreich) sowie die EM-Dritte Melek Hu (Türkei).

Vor Kreangas Überraschungscoup hatte das mit 70.000 Euro datierte Europe Top 12 die Absagen gleich dreier Stars verkraften müssen. Gesundheitliche Gründe zwangen mit dem Weltranglisten-Ersten Timo Boll (Oberschenkelzerrung), dem EM-Dritten Christian Süß (Grippe) und dem EM-Finalisten Patrick Baum (Bronchitis) gleich drei Medaillenanwärter des Butterfly-Klubs Borussia Düsseldorf zum Startverzicht. In Abwesenheit von Europas Alleinherrscher Boll verlief das Europe Top 12 überaus spannend. Kreanga besitzt mit seiner gefährlichen Spielweise zwar stets Chancen auf den Gewinn von Edelmetall, den Titel hatte ihm allerdings kaum jemand ernsthaft zugetraut, denn große Finals (World Cup, Europameisterschaft, Europe Top 12) hatte der WM-Dritte von Paris 2003 bislang stets verloren. Selbst Ex-Weltmeister Werner Schlager (Österreich), der im Halbfinale die gute Form Kreangas am eigenen Leib hatte zu spüren bekommen hatte, meinte nach dessen Endspielerfolg überrascht: „Eine bemerkenswerte Leistung von Kalinikos, mit fast 39 Jahren seinen ersten großen Titel zu gewinnen.“

Im dramatischen Endspiel gegen Samsonov, dass er mit 11:9 im Entscheidungssatz gewann, war der Gewinn des vierten Satzes zum 3:1 aus Sicht von Kreanga das vorentscheidende Ereignis: „In diesem Satz habe ich mit 7:3 vorne gelegen, aber dann ist Vladi mit 9:7 in Führung gegangen. Hätte ich den Satz verloren und den 2:2-Ausgleich kassiert, dann hätte sich wahrscheinlich das ganze Match gedreht.“ Doch Kreanga bewies an diesem Wochenende auch nervlich eine außergewöhnliche Stabilität. Vor dem Finale hatte er das bereits in knappen Spielständen gegen Schlager, aber auch am Vortag im Viertelfinale beim 4:3 über Dimitrij Ovtcharov unter Beweis gestellt, als der Deutsche nach Egalisierung eines 0:3-Rückstandes schon psychologisch im Vorteil erschien. Ungeschlagen kam Kreanga allerdings nicht davon: Im ersten Gruppenspiel unterlag er dem späteren Dritten Alexey Smirnov, bevor er sich mit einem maßgeschneiderten 4:1 über Abwehrkünstler Chen Weixing (Österreich) erstmals in Titelform präsentierte. Kreanga war nach dem Turniergewinn derart gut gelaunt, dass er sogar in das Mikrofon des chinesischen Staatsfernsehen CCTV scherzte: „An diesem Wochenende wird im Reich der Mitte ja auch das Chinese New Year gefeiert. Ich werde jetzt beantragen, dass künftig alle Europe-Top-12-Turniere immer an Chinese New Year ausgetragen werden, das hat mir Glück gebracht.“

Darf man Kalinikos Kreanga Glauben schenken, dann verhalf dem Topspinkünstler nicht nur die eigene Klasse und das Chinese New Year, sondern auch die Glückszahl 13 zum Erfolg. In der Pressekonferenz nach dem Finale erläuterte der WM-Dritte von Paris 2003, was es damit auf sich hat. "Die Zahl 13 ist für einige Spieler Europas eine Glückszahl. 2004 war es Michael Maze, der die Nummer dreizehn der Europarangliste war. Damals musste ich das Turnier absagen, er ist nachgerückt und hat gewonnen. 2011 war es umgekehrt: Maze hat wegen Verletzung abgesagt, ich bin als Nummer dreizehn ins Feld gekommen und habe jetzt den Titel. 2005 bei Alexei Smirnov war es übrigens genauso, auch er war eigentlich die Nummer 13." Darüber hinaus sei der Erfolg aber vor allem Produkt einer intensiven Vorbereitung: „Wir haben gerade eine intensive Vorbereitungsphase mit dem Nationalteam hinter uns. Für mich war dieser Turniersieg auch deshalb wichtig, weil er mich im Kampf um die Direktqualifikation für die Olympischen Spiele in London wieder in der Weltrangliste ein Stück nach vorne bringt.“

Bei den Damen gewann zwar die Holländerin Li Jiao in Lüttich zum insgesamt vierten Mal den Titel, ungeschlagen blieb aber auch sie nicht. Ausgerechnet die erst seit wenigen Tagen 22 Jahre alte Europe-Top-12-Debütantin Melek Hu brachte der routinierten Vorjahressiegerin in der Vorrunde die einzige Niederlage bei. Auch anschließend wusste der Schmetterling zu gefallen. Im Viertelfinale folgte ein klarer Erfolg über die seit kurzem schwangere Österreicherin Liu Jia, bevor erst Viktoria Pavlovich im Semifinale der Butterflypartner mit einem hauchdünnen 4:3-Erfolg die Titelambitionen der vielversprechend auftrumpfenden jungen Türkin beendete. Die Weißrussin hatte zwar im anschließenden Finale gegen die überragende Li nicht die Spur einer Chance, darf aber dennoch schon jetzt im Februar die Saison 2010/2011 als die mit Abstand erfolgreichste ihrer Karriere feiern: Einzel-Europameisterin in Ostrava und Finalistin beim Europe Top 12 in Lüttich innerhalb von nur sechs Monaten – das ist noch keiner Defensivspielerin in Europa gelungen, und das trotz großer Konkurrenz asiatischer Abstammung.


Das Abschneiden der Schmetterlinge beim Europe Top 12

Herren
1. Kalinikos Kreanga GRE
3. Werner Schlager AUT
5.-8. Bastian Steger GER
5.-8. Adrian Crisan ROU
9.-12. Robert Gardos AUT

Damen
2. Viktoria Pavlovich BLR
3. Melek Hu TUR
5.-8. Shen Yanfei ESP
9.-12. Daniela Dodean ROU
9.-12. Krisztina Toth HUN

see more news


Produkte
Social