31. Mai 2011

„Ich brauche die Extreme, denn ich bin ein Kampfhund“

19.05.2011 12:16

„Ich brauche die Extreme, denn ich bin ein Kampfhund“

Interview mit dem neuen Weltmeister Zhang Jike

Zhang Jike, Gratulation zum Gewinn der Weltmeisterschaft. Wie Kong Linghui 1995 haben Sie gleich bei ihrer ersten Einzel-WM den Titel geholt. Sie wirkten sehr bewegt nach dem Titelgewinn…

Zhang Jike: „Ja, der Moment war einfach unbeschreiblich. Mit dem Gewinn des Weltmeistertitels ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen, für den ich sehr hart gearbeitet habe.“

Nie zuvor hat man einen Weltmeister gesehen, der nach dem Titelgewinn so sehr seinen Emotionen freien Lauf gelassen hat wie Sie. Sie haben sich sogar das Trikot vom Leib gerissen. War das geplant?

Zhang Jike: „Nein, das war überhaupt nicht geplant, sondern total spontan. Ich bin ein sehr impulsiver Mensch, der seine Emotionen ausleben muss. Je spannender die Situation am Tisch wird und umso mehr die Zuschauer jubeln oder schreien, umso heißer werde ich. Ich brauche die extremen Situationen. Mein Trainer nennt mich nicht umsonst einen ‚Kampfhund‘…“

Selten sieht man auch, dass ein Spieler sofort zu seinem persönlichen Trainer rennt, anstatt zuerst die Gratulation von Cheftrainer Liu Guoliang entgegenzunehmen…

„Mein Trainer hat sehr großen Anteil an meiner Entwicklung. Ich wollte einfach nur spontan meinen Dank ausdrücken. Es gibt natürlich noch viel mehr Menschen, die an meinem Weltmeistertitel einen Anteil haben. Beispielsweise meine Eltern, die mich immer gefördert haben und auch mein Materialausrüster Butterfly, der wie ich höchste Ansprüche an Qualität stellt. Zuverlässigkeit des Materials ist in Extremsituationen besonders wichtig. Darauf kann ich mich bei Butterfly verlassen.“

Sowohl im Halbfinale als auch im Finale haben Sie zwei Situationen gehabt, in denen Sie kurz vor dem Sieg hohe Führungen verspielt haben. Sind die Nerven eine Schwachstelle bei Zhang Jike?

"Gegen Timo Boll war wirklich schon ein Neustart nötig, da war ich aus dem Rhythmus. Und als ich dann plötzlich gegen Wang Hao fünf Championship-Bälle hatte, habe ich wieder viel zu ängstlich gespielt. Ja, ich denke, da muss ich noch dran arbeiten.“

Aber immerhin haben Sie diese beiden wichtigen Matches gewonnen. Früher hat man Sie nach Führungen auch verlieren sehen…

Zhang Jike: „Offen gestanden, haben mir auf dem Weg zum Weltmeistertittel vor allem die Niederlagen der Vergangenheit geholfen. Um zu lernen, um stärker zu werden und um am Ende dennoch zu siegen – dafür sind Niederlagen die beste Lektion. Sie helfen bei der Entwicklung eines Spielers und machen ihn am Ende stärker.“

Vor einem Jahr mussten Sie noch hart um einen Platz in der WM-Mannschaft für Moskau kämpfen, jetzt sind Sie mit 23 Jahren Einzel-Weltmeister. Was sind ihre nächsten Ziele?

Zhang Jike: „Meine nächsten großen Zielen sind im Jahr 2012 die Weltmeisterschaften in Dortmund und die Olympischen Spiele in London. Ich hoffe, auch dort ähnlich erfolgreich sein zu können wie jetzt in Rotterdam. Meine Gegner können sicher sein, dass ich dafür sehr hart arbeiten werde.“

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