31. Mai 2011

„Es wird allein an mir liegen, Zhang Jike zu schlagen“

15.05.2011 10:41

"Es wird allein an mir liegen, Zhang Jike zu schlagen"

Durch einen 4:1-Sieg über Chen Qi zieht Timo Boll ins Halbfinale ein.



Die Szene besaß Gänsehautcharakter: Nach dem verwandelten Matchball über Chen Qi lächelte Timo Boll genießend über das ganze Gesicht, hob beide Arme in die Luft, wanderte in der Pose des Triumphators seelenruhig durch die gesamte Box, sich von den 8.000 Fans in der Ahoy Arena feiern lassend, um dann explosionsartig die rechte Faust von tief unten bis hoch oben über den Kopf zu reißen in Richtung Tribüne, wo Ehefrau Rodelia und Freunde ihm zujubelten.
Wer erwartet hatte, Timo Boll fiele nach seinem ersten und so lang ersehnten Gewinn einer Einzelmedaille bei Weltmeisterschaften rücklings auf den Boden oder spränge wie nach dem Europe-Top12-Erfolg 2003 auf den Tisch, der sah sich getäuscht. Und sogar das hatte Größe: Denn, das war zu spüren, Timo Boll genoss zwar den Einzug in das Halbfinale der Titelkämpfe 2011 für einige Momente in vollen Zügen, satt vom Erfolg hingegen ist er bei diesen Weltmeisterschaften noch lange nicht.
"Die Erleichterung ist sehr groß. Erst als ich 10:3 im fünften Satz geführt hatte, war ich mir sicher, dass nichts mehr anbrennen kann", bekannte Boll. "Da hat man mir, glaube ich, die Freude auch angesehen nach dem Matchball." Die noch fehlende Einzelmedaille sei ein Makel auf seiner Karriere gewesen. "Seit ungefähr zehn Jahren bin ich in den Top Ten, habe bei Weltmeisterschaften aber nie so richtig gut gespielt." Der Wahl-Düsseldorfer beschrieb seine Emotionen: "Das sind Momente, die man nicht oft hat im Leben", sagte Boll. "Die muss ich mir irgendwo auf meiner inneren Festplatte sichern. Das genieße ich jetzt auch."
Doch am Ende der Mini-Pressekonferenz in der Mixedzone hatte Boll bereits wieder den Fokus auf das Turnier gerichtet, das für ihn noch lange nicht zu Ende ist. Der Europameister trifft morgen auf seinen Butterflykollegen Zhang Jike, um in einem Duell der Schmetterlinge den Finalteilnehmer zu ermitteln : "Ich habe ihn in diesem Jahr bei den Qatar Open bereits einmal schlagen können, anschließend hat er mich allerdings im Finale der German Open ganz schön vermöbelt. Es wird aber allein an mir liegen, Zhang Jike zu schlagen. Ich bin in guter Form, und vielleicht zeigt er ja auch ein wenig Nerven.“
Im zweiten Halbfinale der Herren stehen sich Ma Long und Titelverteidiger Wang Hao gegenüber, der den Medaillenanlauf von Japans Butterflystar Jun Mizutani stoppte. Damit ist Timo Boll der einzige Nichtchinese, der in den Einzel-Wettbewerben auf dem Treppchen steht. Bei den Damen wurde die erst 20-jährige Ding Ning durch einen Finalerfolg über Li Xiaoxia die Nachfolgerin der mittlerweile nicht mehr aktiven Siegerin von Yokohama 2009, Zhang Yining. Gold im Herren-Doppel ging an Ma Long/Xu Xin.

Durch den Halbfinaleinzug von Timo Boll steht nun fest, das von insgesamt 20 WM-Medaillen 14 an China gehen. Butterfly ist insgesamt siebenmal bei dieser WM auf dem Siegerpodest vertreten. Im Herren-Einzel in noch nicht definierter Farbe durch Timo Boll und Zhang Jike, fünf Bronzemedaillen gingen zudem an die Schmetterlinge Liu Shiwen (Damen-Einzel), Jung Young Sik/Kim Min Seok (Südkorea/Herren-Doppel), Jiang Huajun/Tie Yana (Hongkong/Damen-Doppel) sowie im Mixed an den Japaner Seiya Kishikawa (mit Ai Fukuhara) und an das Duo Cheung Yuk/Tie (Hongkong).

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