31. Mai 2011

„Das war eine gute Generalprobe“

14.05.2011 12:00

„Das war eine gute Generalprobe“

Interview mit Timo Boll


Timo Boll hat das deutsche Duell gegen seinen Freund Dimitrij Ovtcharov gewonnen und steht nun bereits im Viertelfinale der Weltmeisterschaft. In der Rotterdamer Ahoy-Arena ließ der 30 Jahre alte Butterfly-Star nur eine kurze Aufholjagd seines Herausforderers zu und gewann mit 4:2 (11:7, 11:6, 11:13, 13:15, 11:0, 11:8). Im Spiel um eine Medaille trifft Boll am Samstag (15.15 Uhr) als letzter Europäer im Turnier auf den chinesischen Mannschafts-Weltmeister und Weltranglistenzwölften Chen Qi, der sich mit einem 4:3 gegen den weißrussischen Ex-Europameister Wladimir Samsonow durchsetzen konnte.

Herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Viertelfinale. War das Spiel heute gegen ihren Freund und Trainingspartner Dimitrij „Dima“ Ovtcharov das Schwierigste was sie bei dieser WM bestreiten mussten?

Ja, spielerisch und emotional auf jeden Fall. Es war ein sehr enges Match und am Ende haben wir beide sehr kämpfen müssen, auch innerlich. Es hätte auch anders ausgehen können und bin froh, dass ich die Nerven behalten habe.

Was hat den Ausschlag für den Erfolg gegeben?

Dima ist im Laufe des Spiels immer stärker geworden, hat mehr spekuliert, mehr riskiert und oft die richtigen Entscheidungen getroffen. Das war keine einfache Situation für mich. Ich habe nach anfänglichen Schwierigkeiten meinen Weg wieder gefunden. Man muss gegen Dima sehr präzise spielen und das ist schwierig bei dem Druck, den man bei einer WM verspürt. Ich war froh, dass ich mich im 5. Satz gut erholen konnte und habe dann einen perfekten Satz hingelegt und zum Schluss dann auch verdient gewonnen.

Im 5. Satz haben sie mit 10:0 geführt, denkt man da an einen Freundschaftsdienst und gibt einen Punkt ab?

Nein eigentlich nicht, auch wenn mein Rückschlag halbherzig gespielt war. Ich glaube, Dimitrij war selber froh, dass der Satz dann rum war, ob 11:1 oder 11:0, das ist dann egal. Das wird er mir jetzt auch nicht übel nehmen….

Im dritten und vierten Satz haben sie einige Satzbälle vergeben, war das in ihrem Kopf, als es im sechsten Satz nach 10:5 dann 10:8 wieder ähnlich knapp wurde?

Ich habe gemerkt, dass es noch einmal kippen könnte. Dima hat locker gespielt, nichts mehr zu verlieren und dann kann alles passieren. Aber ich war trotzdem sehr konzentriert und die notwendigen Punkte zum richtigen Zeitpunkt holen können.

Das nächste Match geht gegen Chen Qi, sie brauchen also noch 44 Punkte, um zumindest eine Einzelmedaille zu gewinnen, wie sehen Sie ihre Chancen?

Ich habe ja im Champions-League-Finale erst gegen ihn gewonnen, aber es waren jedes Mal sehr knappe Spiele. Er wird die Tagesform entscheiden. Heute habe ich sehr gut gespielt und hoffe, dass ich das morgen auch noch einmal bringen kann. Vielleicht hat Chen ja auch etwas Kraft im engen Spiel gegen Vladimir Samsonov gelassen.

Fühlen Sie sich jetzt richtig fit gegenüber den anderen Weltmeisterschaften. Sie spielen ja kein Doppel, der Zeitplan ist auch sehr erträglich. Sie haben fast nur 1 Spiel am Tag.

Ich glaube die Umstände sind für mich ein Vorteil, ich fühle mich noch gut. Gerade nach den gewonnen Punkten bei langen Ballwechseln zeigt mir, dass ich physisch gut drauf bin. Das muss auch so sein, um gegen die ganz starken mithalten zu können.

Beginnt jetzt für sie das Turnier erst richtig?

Nein, für mich hat das Turnier seit dem ersten Tag begonnen. Und mein Spiel gegen Ovtcharov war vielleicht eine gute Generalprobe für das nächste Spiel, weil Dima auch gut gespielt und mich sehr gefordert hat. Ich musste schon an meinem Limit spielen und diese Erfahrung kann ich für die nächste Runde sicher gut gebrauchen.

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