3. Februar 2012

Musketier Mattenet träumt von einer Medaille

Zehn Schmetterlinge beim Europe Top 12 am Start

Ohne den WM-Dritten Timo Boll und ohne Supercup-Gewinner Michael Maze wird an diesem Wochenende das Europe Top 12 in Lyon-Villeurbanne ausgetragen. Die Butterfly-Stars aus Deutschland und Dänemark wollen ihre Vorbereitung ganz auf den Ende März anstehenden Saisonhöhepunkt, die Mannschafts-Weltmeisterschaften in Dortmund, konzentrieren. Immerhin noch zehn Schmetterlinge gehen jedoch in Frankreich an den Start, wo in diesem Jahr Lokalmatador Adrien Mattenet bei seinem Debüt auf Anhieb in die Medaillenränge vorstoßen will. Aus Deutschland hoffen Bastian Steger und Irene Ivancan darauf, in den Kampf um Edelmetall eingreifen zu können.
„Vor unserer Heim-WM und den Olympischen Spielen will ich mein Wettkampfprogramm richtig dosieren und muss, so schwer es mir fällt, auch mal Turniere absagen“, begründet Deutschlands 15-facher Europameister Timo Boll seine Absage für das kontinentale Ranglistenturnier, das er bislang fünfmal gewinnen konnte. „Ich spiele das Europe Top 12 wirklich gerne, es hat eine lange Tradition. Aber in einem so wichtigen Jahr wie diesem liegt der Fokus auf den beiden Höhepunkten, WM und Olympia.“ Mit dem gleichen Hintergrund sagt Michael Maze Europas zweitwichtigstes Turnier ab: Nach mehreren Matches mit seinem Klub UMMC Jekaterinenburg in der Vorwoche entschied sich der Gewinner von 2004, der erst vor wenigen Monaten von einer fast einjährigen Verletzungspause auf die internationale Bühne zurückkehrte, in Absprache mit seinem Physiotherapeuten zur Absage des Europe Top 12.

Mit seiner Tradition und seinem Renommee genießt das Turnier unter den Tischtennisfans einen Kultstatus, der zumindest für die Weltstars unter Europas Topathleten aufgrund des immer umfangreicher werdenden Terminkalenders zwangsläufig nur noch etwas eingeschränkter gegeben ist. Das Turnier, das mit insgesamt 70.000 Euro datiert ist, wird zudem 2012 keine Weltranglistenpunkte vergeben. Die Europäische Tischtennis-Union hatte sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschlossen, um den Startanreiz für die Athleten zu erhöhen. Diese laufen bei dem zuvor niedrig eingestuften Turnier nun zumindest nicht mehr Gefahr, durch Niederlagen gegen einen schwächer eingestuften Spieler übermäßig viele Punkte einzubüßen.
Spielern wie Adrien Mattenet ist solcherlei Tischtennis-Mathematik allerdings ohnehin völlig fremd. Der aufstrebende Franzose greift ehrgeizig nach allen Chancen, die sich ihm auf den steinigen Weg an die Weltspitze bieten. Bei seiner Europe-Top-12-Premiere in Lyon könnte der wilde Musketier mit eigener Klasse und Unterstützung des Publikums erstmals als Solist bei einem bedeutenden kontinentalen Turnier auf dem Treppchen landen. Zumindest wird Mattenet wie auch sein Butterfly-Kollege Bastian Steger unter den vier Topgesetzten sein. Doch die beiden sind nicht die einzigen Schmetterlinge, die sich Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden machen. Rumäniens Adrian Crisan und Russlands Alexey Smirnov, immerhin 2005 im französischen Rennes schon einmal Sieger, zählen ebenfalls zum erweiterten Kreis der Halbfinalanwärter. Aber auch das lediglich als Ersatz ins Feld gerückte Austria-Duo mit Ex-Weltmeister Werner Schlager und dem EM-Dritten von 2008, Robert Gardos, geht ambitioniert ins Lyon ans Werk. Favoriten auf den Titel sind in Abwesenheit von Timo Boll dessen Nationalmannschaftskollege Dimitrij Ovtcharov und der Weißrusse Vladimir Samsonov.
Titelaspirantin Nummer eins bei den Damen ist auch in diesem Jahr Li Jiao. Hollands Europameisterin konnte sich bereits viermal (2007, 2008, 2010 und 2011) in die Siegerliste des Europe Top 12 eintragen. Mit dem Schmetterling auf der Brust hingegen hoffen die Vorjahres-Zweite Viktoria Pavlovich (Weißrussland), Deutschlands EM-Finalistin Irene Ivancan, Rumäniens Blondschopf Daniela Dodean und die Spanierin Shen Yanfei auf einen Höhenflug zu Edelmetall. Als Debütantin gibt sich Irene Ivancan allerdings erst einmal vorsichtig: "Zunächst einmal will ich in dem guten Feld natürlich die Qualifikation für das Viertelfinale schaffen. Dann sehen wir weiter."

Die Teilnehmer
(fett gedruckt die Butterfly-Partner, die in Lyon an den Start gehen)

Herren
1. Dimitrij Ovtcharov, Deutschland
2. Vladimir Samsonov, Weißrussland
3. Adrien Mattenet, Frankreich
4. Bastian Steger, Deutschland
5. Adrian Crisan, Rumänien
6. Bojan Tokic, Slowenien
7. Alexey Smirnov, Russland
8. Kirill Skachkov, Russland
9. Marcos Freitas, Portugal
10. Chen Weixing, Österreich
11. Werner Schlager, Österreich
12. Robert Gardos, Österreich

Damen
1. Li Jiao, Niederlande
2. Wu Jiaduo, Deutschland
3. Li Jie, Niederlande
4. Viktoria Pavlovich, Weißrussland
5. Li Qian, Polen
6. Shen Yanfei, Spanien
7. Elizabeta Samara, Rumänien
8. Ni Xialian, Luxemburg
9. Daniela Dodean, Rumänien
10. Georgina Pota, Ungarn
11. Irene Ivancan, Deutschland
12. Li Xue, Frankreich

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