1. September 2011

Interview mit Elena Trushneva

Ich will in jedem Spiel mein Bestes geben

Sie galt als die große Hoffnung im russischen Damen-Tischtennis, bis eine hartnäckige Rückenverletzung sie im Alter von 20 Jahren zu einer fast einjährigen Pause zwang. Elena Trushneva, russische Nationalspielerin, ereilte dies nicht alltägliche Sportlerschicksal. Aber sie scheint es seit Anfang dieses Jahres überwunden zu haben, nachdem sie durch ein tiefes Tal gegangen ist. Jetzt schaut die sympathische Butterfly-Vertragsspielerin wieder optimistisch in die Zukunft. Die aktuelle Nr. 141 der Weltrangliste, die mit bereits 19 Jahren im Viertelfinale einer Europameisterschaft stand, will alles tun, um an ihre alten Erfolge anzuknüpfen. Das nötige Talent bringt die sehr offensiv ausgerichtete Rechtshänderin aus St. Petersburg allemal mit.

Elena, Sie sind jetzt 22 Jahre alt und hinter Ihnen liegt eine sehr lange Verletzungsmisere, wie sie nur sehr wenige Spieler in dem jungen Alter durchmachen müssen. Wie ging es los damit?

Mein letztes großes internationales Turnier war die Europameisterschaft in Stuttgart im September 2009. Ich war schon einen Monat vorher verletzt. Eine nicht genau definierbare Rückenverletzung. Ich konnte noch in reduziertem Maße trainieren und wollte unbedingt in Stuttgart spielen. Mein Arzt empfahl mir danach für drei Monate mit Tischtennis zu pausieren. Doch ich war jung und hungrig auf Tischtennis und begann schon  nach zwei Wochen wieder zu trainieren. Mit dem Ergebnis, dass ich dann wirklich aufhören musste, denn die Rückenbeschwerden wurden immer unerträglicher. Aber nicht nur drei Monate, sondern jetzt über ein halbes Jahr. Das war wirklich bitter. Erst im Juli 2010 konnte ich wieder ein internationales Turnier bestreiten. Aber immer noch nicht ganz beschwerdefrei. Richtig gut geht’s eigentlich erst wieder seit Beginn dieses Jahres. Sowohl im Training als auch im Wettkampf kann ich mich wieder voll belasten. Meine ganze Konzentration liegt jetzt auf der neuen Saison.

Das erklärt auch, warum sie in der Weltrangliste um über dreißig Plätze von 107 auf 141 gefallen sind.

Na, klar. Im Jahr 2008 lief es wirklich gut für mich. Ich war da 19 Jahre alt und hoffte unter die Top 100 zu kommen. Es sollte halt nicht sein.

Ist es nicht unheimlich schwer in so jungen Jahren mit einer so langwierigen Verletzung konfrontiert zu sein? Sie sind nach wie vor die jüngste Spielerin im russischen Nationalmannschaftskader.

Das war meine schwerste Zeit. Ganz unbestritten. Ich war manchmal sehr traurig und hatte Angst, dass ich nicht mehr spielen konnte. Das war schon eine gewaltige psychische Belastung. Als ich mich dann im Laufe der Zeit irgendwie mit dem Verletzungszustand abgefunden hatte und ihn dadurch etwas leichter nahm, wurde es irgendwie besser, als wenn ein Druck von mir fiele. Vielleicht habe ich mich in der Tat zu sehr unter Druck gesetzt.

Sie standen ja 2008 bei den Europameisterschaften in ihrer Heimatstadt St. Petersburg kurz vor einer Sensation.

Ja das stimmt. Ein Jahr vorher hatten wir mit der russischen Juniorinnen-Mannschaft bei der Jugend-Europameisterschaft Gold gewonnen und ich habe dort sehr gut gespielt. Ich kam dann in den russischen Damenkader und erreichte völlig überraschend das Viertelfinale (1:4-Niederlage gegen Wenling Tan Monfardini/Italien). Und auch danach spielte ich recht gut bis dann irgendwann die Rückenprobleme begannen. Aber ich hoffe, dass das jetzt überwunden ist und ich wieder an meine alten Leistungen zunächst anknüpfen und dann auch noch besser werden kann. Daran glaube ich fest.

Wann habe Sie eigentlich mit Tischtennis begonnen? Mit fünf Jahren. So jung?

Ja meine ältere Schwester war acht und deren Freundin hatte eine Mutter, die als Coach in einer Tischtennisschule in St. Petersburg arbeitete. Sie lud uns ein, also ging ich mit. Wir spielten nicht regelmäßig, aber die Trainerin meinte, ich hätte Talent. Und mir machte auch viel Spaß. Da mein Schwester zwischenzeitig keine Lust mehr hatte, habe ich dann an meiner Grundschule angefangen regelmäßig einmal pro Woche zu spielen. Meine Großmutter war dort Sportlehrerin und organisierte das Tischtennis spielen, obwohl sie selber nie gespielt hat. Mit sieben Jahren habe ich dann mal Schwimmen und Tanzen ausprobiert, aber ich merkte immer sehr schnell, dass Tischtennis mein Ding ist. Und auch meine Familie meinte das, die mich bei allen Tischtennisaktivitäten immer unterstützte.

Wann wurde Ihr Hobby zum Leistungssport?

Mit neune Jahren wechselte ich zu einem neuen Trainer und von da an war fünfmal pro Woche Training angesagt. Also praktisch täglich, denn am Wochenende gab es auch Wettkämpfe.

Wann stellten sich die ersten großen Erfolge ein?

Mit neun war ich Jahrgangsbeste in St. Petersburg. Das war für mich ein sehr wichtiger Erfolg, da er mich noch mehr anspornte. Und ab dem zwölften Lebensjahr gehörte ich eigentlich immer zu den besten sechs Spielerinnen Russlands in den jeweiligen Jahrgangsstufen.

In 2008 standen Sie im Viertelfinale der EM in St. Petersburg. Dann ereilte Sie eine Rückenverletzung, die sie über ein Jahr in Ihrer weiteren sportlichen Entwicklung behinderte. Jetzt, wo Sie wieder beschwerdefrei sind, darf man sicher auch von der Zukunft träumen. Was ist ihr sportlicher Traum?

Mein Traum? (Sie zögert lange und nachdenklich, Anm. d. Red.). Einen Traum im Sinne eines bestimmten Titels oder Resultats habe ich nicht. Ich will in jedem Spiel mein Bestes geben. Ich will versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Ich will mich spielerisch weiterentwickeln, das ist für mich das Interessanteste. Und wenn du dann erkennst, da geht noch mehr, dann bist du auf dem richtigen Weg.

Wie sieht es eigentlich mit Tischtennis in Russland aus?

Von der finanziellen Seite wirklich nicht schlecht, da hat sich einiges getan. Das kann man an den Aufstellungen der jeweils acht Damen- und Herren-Teams der Premier League deutlich erkennen. Auch das sportliche Niveau ist sowohl bei den Damen als auch bei den Herren klar gestiegen. Das Spielsystem ist nach wie vor nicht optimal, aber bei den Entfernungen in Russland ist ein Ligasystem wie in Deutschland oder Frankreich kaum vorstellbar. Auch gibt es mittlerweile eine Reihe gute Nachwuchszentren und auch entsprechend motivierte Spielerinnen und Spieler. Trotzdem fehlen den jungen Spielern starke Sparrings.

Mit welchem Butterfly-Belägen spielen Sie?

Auf beiden Seiten mit TENERGY 05 mit 2.1 mm Stärke. Die TENERGY-Beläge geben meinem Spiel die nötige Kontrolle, die offensive Durchschlagkraft und viel Gefühl. Das brauche ich unbedingt. Ansonsten bin ich kein Material-Freak, der ständig nach neuem Material sucht.

Zum Abschluss unseres Interviews zwei obligatorische Fragen: Was lieben Sie am Tischtennis so sehr, dass Sie es zu Ihrem Beruf gemacht haben?

Wenn man Tischtennis beispielsweise mit Schwimmen oder Langlauf vergleicht, dann wird schnell deutlich, wie abwechslungsreich unser Sport und damit das Training und der Wettkampf sind. Nicht nur die Muskeln, sondern auch der Kopf werden enorm bei uns gefordert. Darum ist Tischtennis so interessant für mich. Außerdem ist es natürlich für eine junge Sportlerin verlockend, viel zu reisen und die Welt kennenzulernen. Da die großen Turniere hervorragend organisiert sind, ist das wirklich toll. Du lernst interessante Menschen kennen und der internationale Tischtenniszirkus ist wie eine große Familie.

Was mögen Sie am Tischtennis überhaupt nicht?

Nichts, ganz ehrlich. Ich finde im Moment ist alles in Ordnung. Tischtennis ist auf einem guten Weg.

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