28. September 2011

Europameisterschaften in Danzig (8.-16. Oktober)

Und der EM-Favorit heißt Boll - Same procedure as every year bei Dinner for Timo in Danzig

Danzig. Same procedure as last year. Same procedure as every year! Hätte es nicht die Unterbrechung im Einzel durch Michael Maze bei den Europameisterschaften in Stuttgart 2009 gegeben, Timo Boll würde sich im traditionellen Dinner-for-One-Stil anschicken, im Oktober in Polen zum fünften Male in Folge sämtliche Titel bei kontinentalen Titelkämpfen in allen Kategorien abzuräumen, in denen Europas unangefochtener Superstar gemeldet ist.

Bei den Europameisterschaften, die vom 8. bis 16. Oktober in Danzig ausgetragen werden, ist Timo Boll sowohl im Mannschafts-Wettbewerb als auch im Einzelturnier der hohe Favorit. Das deutsche Butterflyteam schickt sich an, zum fünften Male in Folge den Titel zu gewinnen. Das ist auch das erste Etappenziel von Deutschlands Spitzenspieler Timo Boll, der mit seinem Team derzeit in der Weltrangliste Rang zwei hinter China einnimmt. Boll setzt auf Erfolg: „Die fünfte Goldmedaille in Serie, das ist erst einmal das wichtigste Ziel. Mit solch einem Erfolg im Rücken kann man dann auch das Einzelturnier etwas ruhiger angehen. Alle denken, das wird ein Selbstläufer, aber so einfach ist das nicht. Es gibt viele gute Gegner, gegen die man als Gejagter besonders aufpassen muss, denn sie haben ja nichts zu verlieren."

Mit seiner Step-by-Step-Taktik ist Timo Boll in der Vergangenheit erfolgreich gefahren. 2002in Zagreb, 2007 in Belgrad, 2008 in St. Petersburg und 2010 in Ostrava gewann der 30-jährige WM-Dritte jeweils im Einzel und Doppel die Goldmedaille. 2009 bei der Heim-WM in Stuttgart gelang zwar auch mit Christian Süß der Doppel-Coup, doch die Krone im Herren-Einzel setzte sich anstelle von Timo Boll Dänemarks Schmetterling Michael Maze auf. Der wiederum hat anstelle von Erfolgen vor allem eine lange Leidensgeschichte in seine Biographie eingefügt. Rund ein Jahr nach seiner Knorpeloperation am rechten Knie will Maze aber in Danzig erstmals wieder bei einem großen internationalen Turnier auf Erfolgsjagd gehen, wobei es derzeit vorübergehend eher die kleinen Siege als die großen Titel sind, die der Däne im Visier hat: „Ich bin so ungeduldig und hungrig, endlich wieder zu spielen, aber ich muss mich immer noch zurückhalten und darf es mit dem Training nicht übertreiben", schreibt er auf seiner Homepage. „Alles in allem ist es aber ein gutes Gefühl, dass ich nach der Knieverletzung nun wieder auf einem guten Weg bin."

Im Einzelwettbewerb der Herren hat sich an den Namen der härtesten Widersacher von Timo Boll nicht viel geändert. Weißrusslands Publikumsliebling Vladimir Samsonov zählt zum Kreis der Medaillenanwärter, dahinter folgen mit Dimitrij Ovtcharov, dem mittlerweile immens konstanten, in der Weltrangliste auf Platz 20 geführten Butterflypartner Bastian Steger und dem Vorjahreszweiten Patrick Baum gleich drei weitere Deutsche mit Ambitionen. Das mit ihm bei Topevents noch immer zu rechnen ist, hat in diesem Jahr auch der Grieche Kalinikos Kreanga mit seinem Europe-Top-12-Erfolg bewiesen. Immer für eine Medaille gut ist auch Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager, auch wenn dieser sich Ende September bei der EM-Generalprobe, den Austria Open in Schwechat, nicht in Bestform präsentierte.

Ein Spieler, der auch im Einzel stille Hoffnungen zumindest auf das Erreichen des Viertelfinales hegt, ist Frankreichs Butterfly-Musketier Adrien Mattenet. Noch mehr allerdings träumt der Spitzenspieler der „equipe tricolore“ von einem Mannschafts-Finale gegen Deutschland, nachdem den Franzosen im Vorjahr bereits der Einzug in das Halbfinale geglückt war. Wer die höchste Hürde Deutschlands im Titelrennen wird, scheint jedoch absolut offen. Gemäß Setzungsliste muss den Vorjahresmedaillengewinnern Weißrussland, Frankreich und Tschechien auch diesmal eine Chance eingeräumt werden. Titelverteidiger Deutschland wird sich in der Vorrunde mit Kroatien, Polen und der Slowakei auseinandersetzen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren gibt es allerdings einen Titel, den Timo Boll in keinem Fall verteidigen wird, und das ist der im Herren-Doppel mit Christian Süß. Boll, der in dieser olympischen Saison vor immens hohen Belastungen steht, verzichtet in Danzig in Absprache mit den Bundestrainern auf diese mögliche Goldmedaille. „Das Turnier ist mit Mannschafts- und Einzelwettbewerb schon anstrengend genug. Ich will mich auf diese beiden Aufgaben konzentrieren.“

Im Mannschaftswettbewerb der Damen sind es die Niederlande mit Linda Creemers, Rumänien mit Butterflystar Daniela Dodean, Polen mit Natalia Partyka und Weißrussland mit Europameister Viktoria Pavlovich, die aufgrund der Medaillenfarben vom Vorjahr in dieser Reihenfolge von Position eins bis vier gesetzt sind. Vor allem Butterflyteam Deutschland hofft jedoch, endlich wieder zum Kreis der Medaillengewinner gehören zu dürfen. In der im Vorjahr hauchdünn an Rumänien gescheiterten Mannschaft steht mit Berlins Abwehrstrategin Irene Ivancan diesmal auch wieder ein waschechter Schmetterling. Ivancan verdiente sich dank glänzender Leistungen in der Pro Tour ihre EM-Nominierung. Auch Spanien und die Türkei machen sich Hoffnungen auf einen Platz auf dem Siegerpodest.

Im Einzel ist der Kreis der Anwärterinnen groß und wird wie im Vorjahr in erster Linie von in China geborenen Spielerinnen beherrscht. Doch das war im Vorjahr nicht anders, und dennoch freute sich am Ende überraschend Viktoria Pavlovich über ihre Goldmedaille in unnachahmlich sympathischer Manier. Doch es wäre keine Sensation, würden statt der Weißrussin diesmal Spielerinnen wie Europe-Top-12-Gewinnerin Li Jiao (Niederlande), deren Landsfrau Li Jie, die Europameisterin von 2009 Wu Jiaduo (Deutschland), Polens Lokalmatadorin Li Qian, Türkeis Spitzenspielerin Hu Melek oder Spaniens Weltklassespielerin Shen Yanfei weit oben stehen. Außenseiterchancen rechnen sich von den in Europa geborenen Spielerinnen vor allem Daniela Dodean, Elizabeta Samara (Rumänien), Krisztina Toth (Ungarn), Ruta Paskausiene (Litauen) und Kristin Silbereisen (Deutschland) aus.

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