6. November 2012

Erster Einzeltitel für Shen Yanfei und Silber für müden Timo Boll

German Open in Bremen

Exakt zwei Wochen nach dem Ende der Europameisterschaften in Dänemark stehen seit Sonntag auch die Gewinner der German Open fest. Zwei der vier Titel gewannen Spieler aus dem Hause Tamasu Butterfly: Die Spanierin Shen Yanfei holte sich erstmals den Titel im Damen-Einzel und freute sich über eine Siegprämie in Höhe von 14.000 Dollar, im Herren-Doppel setzte sich der Hongkong-Chinese Jiang Tianyi zusammen mit seinem Landsmann Wong Chun Tin durch. Zweite Plätze gab es für die Schmetterlinge sogar gleich dreimal: Deutschlands Butterfly-Superstar Timo Boll musste sich diesmal ebenso mit Silber begnügen wie die Überraschungsfinalistin Iveta Vacenovska (Tschechien) und das Doppel Jiang Huajun/Lee Ho ching.

Es war am Ende zwar diesmal nur die Silbermedaille, aber irgendwie wirkte dieser zweite Platz dennoch ein wenig wie ein Sieg für den Weltranglisten-Fünften Timo Boll. Beim 2:4 im Endspiel gegen seinen Nationalmannschaftskollegen standen dem Rekordeuropameister, der bereits viermal bei den German Open triumphiert hatte, die Strapazen der vergangenen Wochen und Monate ins Gesicht geschrieben. Als der olympische Bronzemedaillengewinner einen 0:2-Rückstand wettmachte und ausglich, hatten die Bollschen Bemühungen um den Titelgewinn ihr körperliches und mentales Limit an diesem Tage erreicht. Hinterher gestand Boll neidlos die Überlegenheit seines Freundes und Teamgefährten im Nationaldress ein: "Es ist schön, dass hier ein Deutscher gewonnen hat. Bei mir hat das Feuer nicht mehr so gelodert. Er war pfiffiger, spritziger und ich konnte den Schalter nicht mehr umlegen. Es ist schon in Ordnung, dass Dima gewonnen hat. Er war heute der Stärkere, und das erkenne ich voll an. Ich war etwas müde und ich bin ganz froh, dass ich so weit gekommen bin." Der neue Sieger hatte im Halbfinale gegen einen weiteren Butterflyspieler allerdings dicht vor dem Aus gestanden und gegen Chuang Chih-Yuan (Taiwan) in einer Neuauflage des Bronzemedaillenmatches bei den Olympischen Spielen zwei Matchbälle im siebten Satz abwehren müssen.

Im Damen-Einzel stand bereits frühzeitig fest, dass ein Schmetterling die neue Titelträgerin wird, denn bereits ab der Vorschlussrunde waren die Butterflyspielerinnen unter sich. Shen Yanfei gegen Jiang Huajun und Außenseiterin Iveta Vacenovska gegen Europameisterin Viktoria Pavlovich lauteten die Tamasu-Halbfinalpaarungen, aus denen Shen und Vacenovska als Siegerinnen hervor gingen. Während Shen ungefährdet blieb, stand Vacenovska im sechsten Durchgang gegen die lange überlegene Kämpferin Pavlovich schon dicht vor dem Aus, bevor die tschechische Ballkünstlerin mit mehreren Geniestreichen noch einmal das Blatt wendete. Im Endspiel allerdings musste sie die Überlegenheit der Spanierin trotz hartnäckiger Gegenwehr anerkennen und sagte nach dem 2:4: "Shen hat eine besondere Spielart, die keine andere Spielerin hat. Das Problem ist, dass sie nah am Tisch bleibt und dass die Bälle sehr schnell zurückkommen. Und da ist es schwierig, dann darauf zu reagieren. Aber ich bin sehr glücklich, ins Finale gekommen zu sein, auch wenn ich im Moment natürlich traurig bin, dass ich verloren habe. Insgesamt war es jedoch ein sehr gutes Turnier für mich." Die neue Titelträgerin verriet nach dem Endspiel das Geheimnis ihres Erfolgs: ""Im vierten Satz bei Rückstand habe ich meine Taktik gewechselt und mehr mit Seitschnitt gespielt. Das hat sich ausgezahlt. In den Sätzen danach war ich noch aggressiver.“

Auch wenn die German Open ein hochklassiges Event waren, an den Erfolg ihrer Vorgänger reichte sie nicht ganz heran. Die Chinesen gingen aufgrund ihrer durch Olympia in den Herbst verschobenen Spiele ihrer Super League nicht an den Start, hinzu wurde eine Woche nach den Europameisterschaften in Dänemark und ein halbes Jahr nach den Mannschafts-Weltmeisterschaften in Dortmund mit Ausnahme des Samstags (4.500 Zuschauer) nicht ganz der erhoffte Zuschauerzuspruch erreicht.

Die Ergebnisse des Finaltags

Damen-Einzel, Halbfinale

Shen Yanfei ESP - Jiang Huajun HKG 4:0 (6, 9, 7, 4)
Iveta Vacenovska CZE - Viktoria Pavlovich BLR 4:3 (-6, 6, 5, -6, -4, 10, 5)

Herren-Einzel, Halbfinale
Timo Boll - Gao Ning SIN 4:0 (9, 7, 8, 13)
Dimitrij Ovtcharov - Chuang Chih-Yuan TPE 4:3 (9, -9, 8, -7, 8, -6, 11)

Damen-Doppel, Finale
Petrissa Solja/Sabine Winter - Jiang Huajun/Lee Ho Ching HKG 4:1 (3, -10, 12, 13, 6)

Herren-Einzel, Finale
Dimitrij Ovtcharov - Timo Boll 4:2 (-8, -7, 8, 7, 3, 8)

Damen-Einzel, Finale
Shen Yanfei ESP - Iveta Vacenovska CZE 4:2 (6, -8, -11, 8, 5, 8)

Herren-Doppel-Finale
Jiang Tianyi/Wong Chun Ting HKG - Tan Ruiwu CRO/Wang Zengyi POL 4:1 (2, 9, -9, 5, 7)

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