1. Oktober 2012

Boll is back: Starke Silbermedaille vor schwach besetzten Rängen

World Cup der Herren in Liverpool

Boll is back: Zwei Monate nach seinem frühen Ausscheiden bei den Olympischen Spielen ist Timo Boll wieder ganz der alte. Mit Weltklasseleistungen sicherte sich Europas bester Schmetterling beim mit 150.000 Dollar dotierten World Cup in Liverpool seinen insgesamt vierten Finaleinzug. Der Sieger von 2002 in Jinan und 2005 in Lüttich musste in der Beatles-Stadt allein die Überlegenheit  des Weltranglisten-Zweiten Ma Long anerkennen, der erstmals den Titel gewann. Der Spitzenspieler des Butterfly-Klubs Borussia Düsseldorf darf sich über die Finalniederlage mit einer Reihe von gewonnenen Weltranglistenpunkten und einem Scheck in Höhe von 25.000 Dollar hinweg trösten. Boll blieb zwar diesmal der einzige Butterflyspieler, der eine Medaille holte, dafür erreichten aber vier weitere Schmetterlinge die Runde der besten Acht.

In den vier Begegnungen vor dem Endspiel hatte sich Timo Boll mit glänzenden Leistungen im Halbfinale gegen den dreimaligen Weltpokalsieger Vladimir Samsonov (Weißrussland/4:2) und außerdem gleich gegen drei Butterflykollegen durchgesetzt. So besiegte Boll im Viertelfinale ohne Satzverlust  Defensivkünstler Joo Saehyuk (Südkorea) sowie in der Vorrunde den Olympia-Viertelfinalisten Jiang Tianyi (Hongkong/4:1) und Frankreichs Musketier Adrien Mattenet (4:3), der kurzfristig als Ersatzspieler für Gao Ning ins Feld gerückt war. Boll war mit seiner Leistung und seinem zweiten Platz hochzufrieden, auch wenn ihn die klare Finalniederlage wurmte. Immerhin hatte der WM-Dritte von Rotterdam eine plausible Erklärung parat: "Im Finale waren 60 bis 70 Prozent meiner Aufschläge einfach schlecht. Das kann man sich gegen so einen druckvollen Spieler wie Ma Long nicht erlauben. Aber abgesehen davon kann ich mit meinem zweiten Platz und mit den an allen drei Tagen gezeigten Leistungen sehr zufrieden sein. Wie wertvoll auch der Halbfinalsieg über Samsonov war, zeigt sich auch daran, dass Vladi hier in sehr starker Form war und immerhin im Spiel um Platz drei Xu Xin geschlagen hat."

Der Weißrusse hatte zuvor im Viertelfinale im Duell mit Taiwans Butterflystar Chuan Chih-Yuan in einem dramatischen Spiel gleich mehrere Matchbälle abgewehrt. Zuvor war dem Olympiavierten Chuan das Kunststück gelungen, den späteren Sieger Ma Long im Gruppeneinzel mit 4:0 zu bezwingen. Dänemarks Ex-Europameister Michael Maze, der in der Vorrunde ebenso wie Südkoreas Abwehrass Joo Saehyuk den Olympia-Dritten Dimitrij Ovtcharov (Deutschland) auf Distanz hielt, war im Viertelfinale gegen Ma Long allerdings ebenso chancenlos wie im Endspiel auch Timo Boll. Maze kommentierte: "Da war einfach nichts zu machen. Aber meine Leistung im Turnier war okay. Ich bin auf einem guten Weg in Richtung EM, die in zweieinhalb Wochen in Dänemark beginnt." Auch Abwehrass Joo blieb in der Runde der besten Acht gegen Boll genauso chancenlos wie Hongkongs Butterflyrepräsentant Jiang Tianyi gegen den Weltranglisten-Dritten Xu Xin.

So erfolgreich die Tischtennis-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in London von den Medien und von den Zuschauern angenommen wurden, so enttäuschend war der Zuspruch in Liverpool. Wohlwollend gerechnet addierten sich die Zuschauer an allen drei Turniertagen zu maximal rund 1500 Besuchern auf, Stimmung auf den Rängen wollte entsprechend in der schönen Echo Arena nur selten aufkommen.

Die Ergebnisse
(Butterflyspieler fettgedruckt)

Finale
Ma Long CHN - Timo Boll GER 4:0 (4,3,8,9)

Spiel um Platz 3
Vladimir Samsonov BLR - Xu Xin CHN 4:2 (8,5,-7,1,-6,-6)

Halbfinale
Timo Boll GER - Vladimir Samsonov BLR 4:2 (-7,-8,2,7,7,10)
Ma Long CHN - Xu Xin CHN 4:0 (4,4,4,8)

Viertelfinale
Vladimir Samsonov BLR - Chuan Chih-Yuan TPE 4:3 (-9,6,-6,7,10,-10,10)
Timo Boll GER - Joo Saehyuk KOR 4:0 (4,7,8,4)
Ma Long CHN - Michael Maze DEN 4:0 (4,5,7,7)
Xu Xin CHN - Jiang Tianyi HKG 4:0 (5,6,2,10)

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