5. März 2012

Bastian Steger wiederholt seine Titel von Bamberg

Deutsche Meisterschaften in Berlin

Bastian Steger hat es erneut geschafft: In der Bundeshauptstadt Berlin flog der Schmetterling zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten zur Deutschen Meisterschaft im Herren-Einzel und sicherte sich zudem erneut mit seinem Freund und Butterfly-Kollegen Lars Hielscher den Titel im Doppel. Zweimal Bronze gab es für Schmetterling Irene Ivancan. Bei den Herren hatte Topfavorit Timo Boll kurzfristig seinen Start wegen einer Sehnenreizung in der Schulter absagen müssen, war aber nach Berlin gereist. Boll: "Es tut mir leid für die vielen Zuschauer, die sich gefreut hatten, mich spielen zu sehen. Ich hatte den zehnten Titel schon anvisiert, aber mit der Schulterverletzung hätte es hier keinen Sinn gemacht. Meine großen Ziele in diesem Jahr sind die Heim-WM in Dortmund und Olympia, da bin ich lieber vorsichtig."

Steger dreht erneut ein verloren geglaubtes Finale

Während der WM-Dritte immer wieder Auskunft über seinen Gesundheitszustand geben musste und nebenbei fleißig Autogramme für seine Fans schrieb, wiederholte Bastian Steger am Finaltisch gegen Dimitrij Ovtcharov ein Kapitel Tischtennis-Geschichte. Denn wie im Vorjahr drehte der für Saarbrücken spielende Bayer ein bereits verloren geglaubtes Match, in dem sein Nationalmannschaftskollege bei 2:0 und 10:7-Führung nicht mehr weit von seinem ersten nationalen Titel entfernt schien. Steger bekannte nach dem Spiel ohne Umschweife: "Dima war der Favorit und zu Beginn auch der bessere Spieler. Wenn er das 3:0 macht, ist das Ding durch, dann wäre nichts mehr zu machen gewesen. Aber man muss den Sack eben auch zumachen."

Über den Kampf zum Spiel

Steger tat in dieser ausweglosen Situation, das, was er auch dann zu tun pflegt, wenn es einmal nicht bei ihm läuft. Er rannte, schwitzte und kämpfte, schaffte über spektakulärste Ballwechsel den Anschluss zum 1:2. Als würde ein Knopf umgelegt, kam die Maschine Steger plötzlich immer besser Touren: "Ich weiß selbst nicht, wie ich es gemacht habe, ich habe einfach nur gekämpft." Ein gewichtiges Argument für seine Leistungssteigerung und den Einbruch seines Kontrahenten fand Steger aber: "Wenn man diesen Titel einmal gewonnen hat, ist der Druck weg."

Selbstvertrauen für die WM gesammelt

Der Sieger selbst empfand den Titelgewinn vom Vorjahr in Amberg als schöner, emotionaler. Zum einen, weil er in seiner Heimat Bayern zustande kam, zum anderen weil es der erste gewesen sei. Das mag so sein. Sportlich hingegen ist die zweite Deutsche Meisterschaft in Folge noch etwas höher einzuschätzen als Erfolg Nummer eins. Denn Steger spielte eine starke Meisterschaft, rechtfertigte seine Nominierung für die Olympia-Qualifikation in Luxemburg und bezwang mit seinem Gegner Dimitrij Ovtcharov immerhin einen Kontrahenten, der sich in den vergangenen Monaten in die Top Ten der Welt spielte und Anfang Februar das Europe Top in Lyon gewinnen konnte. In einem war sich Steger sicher: "Der Titel von Berlin gibt noch einmal etwas Selbstvertrauen für die Team-WM in drei Wochen in Dortmund. Bis dahin muss ich mich aber trotzdem noch ein bisschen weiter steigern. Aber etwas Zeit bis dahin ist ja noch."

Zwei Freunde, drei Titel

Im Doppel stand der Weltranglisten-23. zusammen mit Lars Hielscher zum dritten Mal nach 2006 und 2011 auf dem Siegerpodest. Mit 4:2 besiegten die beiden auch privat sehr gut befreundeten Rechtshänder das Duo Dimitrij Ovtcharov und Patrick Baum, dem sie vor zwei Jahren unterlegen waren. Butterfly-Partner Lars Hielscher freute sich über seinen sogar insgesamt fünften Titel im Doppel. Die beiden ersten hatte er 1999 mit Timo Boll und drei Jahre später an der Seite von Torben Wosik gewonnen. Lars Hielscher: " Wir waren heute einen Tick frischer, etwas wacher am Tisch, haben taktisch gut gespielt und auch verdient gewonnen." Der 32-jährige Hielscher fand gute Gründe für die Harmonie mit seinem zwei Jahre jüngeren Partner: "Das passt einfach mit uns. Ich bin groß, brauche mehr Platz, Basti ist kleiner und sehr schnell. Zudem spielen wir beide taktisch sehr gut, sprechen uns auch ständig ab. Wir bauen uns auch gegenseitig auf, wenn es mal nicht läuft."

Früher als erhofft gescheitert war Irene Ivancan. Die Hoffnungen des Berliner Schmetterlings auf den ersten Gewinn des Einzeltitels platzten im Halbfinale beim etwas unglücklichen 1:4 gegen ihre 19-jährige Nationalmannschaftskollegin Sabine Winter, die im Endspiel anschließend Wu Jiaduo unterlag. Auch im Doppel belegte die EM-Zweite Ivancan zusammen mit Nadine Bollmeier Rang drei.

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