16. April 2012

Auch die Schmetterlinge Ivancan und Steger fliegen nach London

Es gilt als eines der schwierigsten Turniere der Welt, für die Teilnehmer ist es aufgrund seines ungewöhnlichen, an den Nerven und an den Kräften zehrenden Modus das härteste. Die Rede ist vom Europäischen Olympia-Qualifikationsturnier, das vom 11. bis 15. Mai in Luxemburg wenn auch nicht die Welt, jedoch zumindest die Spieler und die wenigen Besucher in Atem hielt.
Elf garantierte Plätze durfte die Europäische Tischtennis-Union (ETTU) in Luxemburg für die Olympischen Sommerspiele verteilen. Nämlich für jene Akteure, die zusätzlich zu den bereits über die Weltrangliste qualifizierten Stars ihr Ticket für London buchen wollten - entweder als Einzelstarter oder als dritter Akteur für die Mannschaft, die erst mit drei qualifizierten Spielern auch ihr Startrecht für das Sechzehnerfeld bei den Olympischen Spielen garantiert bekommt.

Ungewöhnlicher Modus

Der ungewöhnliche Modus sah vor, dass nach einer Vorrunde mit Gruppenspielen  vier Viertelfinalpools gebildet wurden, aus denen sich die Sieger am Freitag als erste vier Spieler bei Damen und Herren ihre Fahrkarte nach England sicherten. Alle Verlierer des Freitags wanderten zurück in den Lostopf und Samstag wurden erneut in vier Viertelfinalfeldern die Tickets fünf bis acht vergeben. Am Sonntag wurden dann in 32-er Feldern mit den verbliebenen Akteuren die drei letzten  Startberechtigungen der europäischen Qualifikation ausgespielt. Alle nicht Qualifizierten erhalten im Mai in Doha eine allerletzte Chance, ihr London Ticket über den Umweg nach Qatar zu buchen. Bei dieser Weltqualifikation sind dann jedoch auch die in Asien gescheiterten Asse mit von der Partie.
Eine der Spielerinnen, die bis zum Ende des von Überraschungen geprägten Turniers die Nerven behielt, war beispielsweise Italiens Wenling Tan-Monfardini. Erst im Spiel um Platz elf setzte sich die EM-Zweite von 2003 in einem Duell der Konterspezialistinnen gegen die Russin Oxana Fadeeva durch, nachdem Tan-Monfardini zwei Stunden zuvor gegen die für Österreich spielende Amelie Solja bei einer 3:4-Niederlage bereits eine Ticketchance verpasst hatte. Andere Olympia-Kandidaten, beispielsweise der höher eingeschätzte Tscheche Peter Korbel , der nicht einmal die Vorrunde überstand, oder die Schwedin Matilda Ekholm, blieben hingegen im Turnierverlauf auf der Strecke.

Butterflyteam Deutschland mit voller Quote

Mental von Rückschlägen weitgehend verschont verblieben die deutschen Favoriten des Turniers, Irene Ivancan und Bastian Steger. Die beiden Butterflyspieler schafften als topgesetzte Akteure gleich im ersten Anlauf die Qualifikation für London und führen damit auch die deutschen Mannschaften sicher zu den Sommerspielen.  Beide waren jedoch froh, diese hohe Hürde frühzeitig genommen zu haben und nicht in die "Verlängerung" am Samstag und Sonntag gemusst zu haben. Steger besiegte am Freitag in seinem "Finale" Adam Pattantyus, Ungarns Nummer 133 der Weltrangliste. Der Abwehrspieler zeigte sich in Luxemburg in der Form seines Lebens und hielt gegen den Deutschen die Partie lange offen. Beim Stand von 2:2 in Sätzen lag er scheinbar uneinholbar mit 8:3 in Führung. "Da habe ich mich gefragt, wie ich überhaupt noch gewinnen soll", bekannte Steger nach der Partie. "Er hat sicher gespielt, unheimlich gut variiert, mal mit, mal ohne Schnitt. Das war für mich schwer zu sehen. Aber dann habe ich meinen Aufschlag etwas variiert, er hat ein paar leichtere Fehler gemacht. Dann ist das Spiel irgendwie gekippt. Das Turnier hier ist Kopfsache. Ich bin überglücklich, es geschafft zu haben. Im Sport kann so viel passieren."
Irene Ivancan traf in ihrem Poolendspiel auf die frühere langjährige Nummer eins Europas, Tamara Boros aus Kroatien. Ivancan hinterher zu ihrem Turniererlebnis: „Das war unglaublich schwer. Ich habe tierisch gezittert. Nicht weil ich dachte, dass ich nicht mehr zu Olympia komme, sondern weil ich das hier morgen noch mal spielen muss, wenn ich gegen Boros verliere“, erzählt Ivancan. „Ich bin so froh, dass ich gewonnen habe und dass ich die Erwartungen erfüllt habe, die man in mich gesetzt hat. Jeder will zu Olympia, am Tisch heißt es nur: sie oder ich. Der Druck ist enorm.“
Durch die Erfolge Stegers und Ivancans sind beide deutsche Teams für die Olympischen Spiele qualifiziert, nachdem zuvor über die Weltrangliste Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Wu Jiaduo und Kristin Silbereisen als Teilnehmer bereits feststanden. "Wir haben die volle Quote erfüllt. Das zeigt unsere Qualität", so DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. "Wir haben erst bei der WM gut gespielt, jetzt hier im ersten Anlauf beide Aktive durchgebracht. Das ist eine gute Basis für den Sommer." Die Vorbereitungen der Deutschen auf Olympia können beginnen.


Die Gewinner der europäischen Olympia-Tickets in Luxemburg

Damen
Freitag
Irene Ivancan (Berlin), Natalia Partyka (Polen), Mie Skov (Dänemark), Xian Yi Fang (Frankreich)
Samstag
Cornelia Molnar, Tian Yuan (beide Kroatien), Margaryta Pesotska (Ukraine), Aleksandra Privalova (Weißrussland)
Sonntag
Li Qiangbing, Amelie Solja (beide Österreich), Wenling Tan-Monfardini (Italien)

Herren
Freitag
Bastian Steger (Saarbrücken), Robert Gardos (Österreich), Joao Monteiro, Marcos Freitas (beide Portugal)
Samstag
Aleksandar Karakasevic, Marko Jevtovich (beide Serbien), Daniel Zwickl (Ungarn), He Zhi Wen (Spanien)
Sonntag
Kirill Skachkov (Russland), Jens Lundqvist (Schweden), Adam Pattantyus (HUN)

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