Malin Pettersen

Die Asiatinnen sind so sicher

Die 19-jährige schwedische Nationalspielerin Malin Pettersson hat sich nach ihrem Schulabschluss vor einem Jahr dazu entschieden, Profispielerin zu werden. Damit hat sie sich für keinen einfachen Weg eingeschlagen, zumal bei den professionellen Damen deutlich weniger verdient wird als bei den Herren. Dennoch hat die Butterfly-Vertragsspielerin Selbstbewusstsein genug, um diesen Weg zu gehen. Im Augenblick steht sie bei den Damen auf Rang 235 der Weltrangliste. In der U 21-Weltrangliste belegt sie Platz 85. Die beidseitige Offensivspielerin, die ihre Rückhand stärker als ihre Vorhand einschätzt, gilt in ihrer Heimat als großes Talent und ist Stammspielerin der Nationalmannschaft.

Malin, Sie leben in Köping und gehören dem nationalen schwedischen Tischtenniszentrum an. Wie viele Spielerinnen und Spieler sind dort konzentriert?
Ungefähr dreißig, überwiegend junge Spieler, die dort auch ein Internat besuchen können, um ihren Schulabschluss machen zu können.

Seit wann trainieren Sie im Trainingszentrum?
Seit gut vier Jahren.

Haben Sie Ihre Schule zwischenzeitig beendet?
Ja, vor einem Jahr. Seitdem konzentriere ich mich ganz auf Tischtennis.

Also sind Sie Profi. Im Damentischtennis ist nicht unbedingt einfach, sein Leben davon zu bestreiten.
Natürlich nicht, im Augenblick muss ich mich durchbeißen, aber ich hoffe, in Zukunft weiter nach oben zu kommen und damit auch mehr Geld verdienen zu können.

Wie sieht’s denn überhaupt mit dem schwedischen Damen-Tischtennis aus? Zu Zeiten Waldners & Co. wurden die Damen doch kaum wahrgenommen.
Natürlich stehen auch heute noch die Männer in Schweden im Vordergrund. Aber dadurch, dass wir im vergangenen Jahr in die A-Gruppe der Mannschaftseuropameisterschaft aufgestiegen sind, haben wir deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Unsere Truppe ist eine Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen. Wir können uns noch erheblich steigern.

Wann haben Sie eigentlich mit Tischtennis begonnen?
Mit sechs Jahren. Mein Vater hat mich dazu gebracht. Meine beiden älteren Brüder spielten bereits recht erfolgreich. Aber mein Vater hat nicht selber aktiv in einem Verein gespielt. Er hat Tischtennis in der Schule unterrichtet und eine Tischtennisfamilie gegründet.

Wann haben Sie denn begonnen, ernsthaft zu trainieren?
Eigentlich sehr früh. Mit acht, neun Jahren habe ich bereits drei- bis viermal in der Woche gezielt trainiert. In meinem Heimatverein in Norrköping.

Können Sie sich noch an den ersten großen Erfolg erinnern, der Ihnen zeigte, ich kann eine sehr gute Spielerin werden.
Na, klar. Ich gewann mit elf Jahren die schwedische Jahrgangsmeisterschaft. Da glaubte ich wirklich daran, dass ich einmal richtig gut werden könnte.

Das haben Sie dann ja auch bewiesen. Aber kommen wir einmal auf den Vergleich von Herren- und Damen-Tischtennis zu besprechen. Es gab einmal Zeiten, da hinkte das Damentischtennis dem der Herren weit hinterher. Heute ist das sicher anders geworden. Aber dennoch gibt es nach wie vor Unterschiede, sowohl im Spiel als auch im Training. Welche?
Die Damen spielen viel näher am Tisch und es fehlt ihnen naturgemäß im Vergleich zu den Männern an Härte. Im Training sehe ich aufgrund meiner Trainingserfahrungen keine Unterschiede hinsichtlich Umfang und Intensität.

Sie spielen beidseitig offensiv mit vielen Spinvariationen. Was müssen Sie in Ihrem Spiel noch verbessern, damit es weiter aufwärts geht?
Meine stärkere Seite ist eindeutig die Rückhand. Deswegen arbeite ich sehr intensiv an meiner Vorhand und kann auch schon Fortschritte erkennen. Das ist natürlich eine Frage der Zeit und der Ausdauer.

Sie sind 19 Jahre alt, Ihnen steht die Zukunft noch offen. Welche konkreten sportlichen Ziele haben Sie im Visier?
Ich möchte in Europa möglichst weit nach vorne kommen und dort auch Medaillen gewinnen können. Und natürlich möchte ich auch mal den Asiatinnen Paroli bieten können.

Apropos asiatische Spielerinnen, was halten Sie von Ihnen, was macht sie so stark?
Sie sind so sicher. Wenn man sie nicht unter Druck setzt, machen sie keine Fehler. Sie bewegen sich unglaublich gut, stehen nie auf dem falschen Fuß.

Sind die Asiatinnen talentierter oder ist es eine Frage des Trainings?
Ich glaube, es ist das Training. Sie trainieren viel mehr als wir in Europa. Und das vor allem in sehr jungem Alter.

Wir sprachen vorhin von Ihren sportlichen Zielen. Wann glauben Sie Ihren sportlichen Höhepunkt erreichen zu können? Heutzutage ist das ja sehr unterschiedlich.
Ich denke so mit 25, 26 Jahren. Vielleicht aber auch erst mit 30. Genau lässt sich das halt nicht sagen. Es gibt eben Früh- und Spätstarter. Aber man muss nicht mit 20 Jahren Weltmeister werden.

Siehe Werner Schlager. Er war 32, als er den Gipfel erreichte und Weltmeister wurde. Haben Sie ein sportliches Vorbild?
Natürlich, Jan-Over Waldner. In technischer und spielerischer Hinsicht ist er unübertroffen.

Was ist Ihr Traum im Tischtennis?
Ein Weltmeisterschaftsfinale im Einzel zu gewinnen. Ich glaube, das muss ein unbeschreibliches Gefühl sein.

Warum lieben Sie Tischtennis so, was ist das besondere am Tischtennisspiel?
Ich liebe eigentlich alles am Tischtennis: die Wettkämpfe, das Training, alles. Besonders aber enge Spielstände und den besonderen Nervenkitzel, der sich damit verbindet.

Gibt es denn irgendetwas, das sie am Tischtennis nicht mögen und verändern würden?
(nach langer Überlegung) Nein, nicht wirklich.


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